52-Stunden-Flug: Auf Dschungeltour

Laos - Teil 19 Lachend beenden meine Freunde Jan, Dustin und ich gemeinsam den Unterricht. Das war wirklich ein einzigartiges Deutsch-Lao-Englisch-Musik-Event. Eine Gitarre, aufgeschlossene Schüler und der Besuch aus Deutschland machten es möglich. „Der Einstand lief doch super“, bemerke ich, „lasst uns jetzt erst mal auspacken und die Betten bauen.“ Jan und Dustin sind einverstanden.

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  • Laos Elefanten

    Magische Momente auf dem Rücken eines Elefanten erlebten Jan-Henrik (l.) mit seinem Freund Dustin auf großer Dschungel-Tour.

  • Laos Abhängen

    Nachdem Jan-Henrik (l.) mit seinen Freunden Dustin und Jan eine Flussfahrt auf LKW-Schläuchen hinter sich hat, ist Chillen angesagt.

Aus ihren Koffern zaubern sie wahre Schätze: Eine Tüte Flips, einen Monsterdrink, ein Bier, Salzstangen und Pferdeklopse – seufz, ich bin selig. Raritäten, die es in Ban Nonsavang nicht gibt. Natürlich haben meine Freunde auch Mitbringsel von meiner Familie dabei. Ich freue mich riesig über zwei EM-Shirts. Das geschnürte und ausgedruckte Info-Paket für das geplante Studium und das Einschreibe-Prozedere lege ich zunächst auf meinen Schreibtisch. Dafür brauchen Tobi, der andere Freiwillige, und ich Ruhe – wird also in den nächsten 16 Tagen nichts. Wir erzählen noch viel an diesem Abend und schlafen irgendwann ein. Tobi geht es am nächsten Morgen noch immer nicht besser. Seit Tagen erbricht er und kann nichts bei sich behalten. Alle Medikamente wollen nicht anschlagen und er wirkt schon ganz entkräftet. Ich mache mir Sorgen, denn der Verlauf stellt sich anders da als sonst. Magen- und Darmprobleme gehören in Laos beinahe wöchentlich dazu und bislang haben wir es auch immer in den Griff bekommen.

Jan und Dustin beschließen, den Unterricht von Tobi in einer ähnlich musikalischen Komponente wie erst kürzlich zu übernehmen. Tobi ist dankbar, denn so kann er einfach nur liegen bleiben und sich ausruhen. Die Ausruhphase zeigt Wirkung und es geht gesundheitlich bergauf. Am nächsten Tag hält das Wetter und die Sonne kommt durch. Ein erstklassiger Tag für den Ngum River! Wir fahren mit den Mopeds und mieten uns ein Boot, inklusive Essen und fetter Musikanlage. Auf dem Boot schmettern wir deutsche Schnulzen, gehen schwimmen und schießen unzählige Fotos über und unter Wasser. Wir genießen den Tag und haben viel Spaß. Abends überlegen wir, welche Ausflüge wir noch unbedingt gemeinsam unternehmen müssen. Alle Backpacker zieht es nach VangVieng, weil man dort „tuben“ und gehörig abfeiern kann. Wir bleiben also zwei Tage in VanVieng und „tuben“ stundenlang auf dem Nam Sao. „Tuben“, das bedeutet: Alte LKW-Schläuche werden aufgepumpt und dienen dann als fahrbarer Untersatz im Nam Sao.
Der Ort selbst ist laut, hektisch, voll und trotzdem ist es total lustig. Abends brauchen aber auch wir eine Auszeit und so hängen wir gemütlich in drei Hängematten ab und genießen den Sonnenuntergang. Chillig!
Luang Prabang ist die nächste Etappe unserer Reise. Dort unternehmen wir eine Bootstour zu den Buddha-
Caves und fahren auch nach Ban Lao Khao. Dustin und Jan sind ebenso betroffen wie ich zuvor. So viel Armut und trotzdem so viele freudige Menschen! Niemand schaut grimmig oder neidvoll – sie leben im Hier und Jetzt, sie nehmen es, wie es ist und wir sind spürbar ein Stück dankbarer für die Möglichkeiten, die sich für uns in unserem Leben schon heute ergeben.

Mit den Tieren schwimmen im Mekong

Unser absolutes Highlight ist die „Dschungeltour“ zu den Elefanten. Dustin und ich reiten gemeinsam auf einem gemütlichen Elefanten. Jan thront allein und lächelnd auf einem anderen. Es ist einzigartig! Diese trabenden majestätisch wirkenden Elefanten übertragen ein unbeschreibliches Gefühl auf uns. Später nehmen die Mahouds den Elefanten die Tragevorrichtungen ab und erlauben uns mit und auf den Tieren reitend, im Mekong schwimmen zu gehen. Auch für mich das erste Mal!

Ich muss lachen, wenn ich Jans hektischen Blick sehe. Er vermutet überall Schlangen und hat einen überaus wachsamen 360-Grad-Blick. „Genieße es, Jan“, denke ich bei mir, denn so einen Moment gibt es kein zweites Mal. Nach dem Bad belohnen wir die Elefanten mit einer Portion Extrafutter und bedanken uns bei den Mahouds, bevor es weiter zum Kuang Xi-Wasserfall geht, der sich in einem dicht bewachsenen Dschungelpark befindet. Das Wasser fällt in azurblaue Kalkbecken, in denen man baden kann – was wir natürlich auch tun. Das Wasser ist eiskalt, glasklar und dieses einzigartige Naturschauspiel wirkt wie eine gemalte Kulisse. Irgendwie zu schön, um wahr zu sein. Ich tauche ab in dieses Wasser und mir wird schlagartig be-wusst, dass ich mich von jedem dieser magischen Orte persönlich verabschiede.

Es ist nicht nur der Wunsch meinen Freunden alles zu zeigen. Nein – ich tauche ab, in mein persönliches Laos, voller eindrucksvoller, prägender und einzigartiger Momente. Mich fröstelt es. Viel-leicht das eiskalte Wasser, vielleicht aber auch der langsam einsetzende Abschiedsschmerz – nur noch wenige Wochen und es gibt noch so viele Dinge zu erledigen.
„Hey Jani, träumst du?“ Ja, irgendwie schon, denke ich und höre mich sagen: „Quatsch, pass lieber auf die Schlangen auf!“ Ich muss grinsen, Jan ist wieder im Schlangensuchmodus. Danke Jungs, dass Ihr diesen Weg auf Euch genommen habt und wir eine tolle Zeit hatten!
Jan-Henrik Seifert (19, Recklinghausen) ist für ein ganzes Jahr vor Ort in Laos in Südostasien.
In der Stadt Vientiane arbeitet er mit der staatlichen Jugendorganisation Lao Youth Union zusammen und unterstützt dort als Freiwilliger die Lehrkräfte zum Beispiel im Englischunterricht. Mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ ist er in diese spannende Zeit gestartet. Er erzählt Euch hier auf dieser Seite regelmäßig, wie es ihm ergeht.