52-Stunden-Flug: Den Spatz freilassen

Laos - Teil 18 Meine Kollegin May holt meinen Besuch aus Deutschland, meine Freunde Jan und Dustin, und mich vom Hotel ab. „Wir müssen die Zeit noch gemeinsam nutzen!“ lächelt May und schlägt eine Last-Minute-Sightseeing-Tour vor. Wir steigen in ihren Pick-up und los geht’s.

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  • Laos Spatzen

    Jan-Henrik lässt sich den Spatz in der Holzkiste zeigen und kauft ihn letztlich für umgerechnet 50 Cent, um ihn freizulassen. Das soll unter anderem Glück und Gesundheit bringen.

  • Tempel Laos

    Im Oktober und November pilgern Buddhisten zum goldenen „Pha That Luang“. Im Juli ist dort weniger Betrieb. Jan-Henrik konnte sich ungestört fotografieren lassen.

Als Erstes besichtigen wir in Vientiane „Patuxai“ – das Siegesdenkmal / Siegestor, dem Triumphbogen in Paris nachempfunden. Es steht mitten im Kreisverkehr und soll an gefallene Soldaten erinnern. Über sieben Etagen gelangt man an die Spitze des gewaltigen Monuments und wird mit einem atemberaubenden Ausblick über Vientiane belohnt.

Wir pilgern zum Tempel

Anschließend fahren wir zum goldenen „Pha That Luang“, dem Symbol für den Buddhismus in Laos. Jedes Jahr pilgern hier im Oktober und November Tausende Gläubige und beten zu Buddha. Die goldenen Verzierungen des Tempels, die Statuen und der riesige Vorplatz sind beeindruckend und farbenfroh. Frauen verkaufen für umgerechnet 50 Cent kleine Holzkäfige mit Spatzen. Besucher greifen zu und lassen die Vögel an selbst gewählten Orten wieder frei. Dies soll Glück, Gesundheit und eigene Freiheit sichern.
Die untergehende Sonne taucht das ganze Gelände in einen einzigartigen Goldorangeton und wir genießen einfach nur, bevor wir uns von diesem Anblick trennen. Bestens gelaunt steigen wir erneut in den Pick-up. Ich war spät ins Bett, heute bin ich müde und deshalb schließe ich während der Fahrt kurz die Augen. Die Jungs gucken aus dem Fenster, sie sind gestern eher schlafen gegangen und fitter als ich.

May parkt den Wagen und wir steigen aus. So ungefähr muss sich ein Zeitsprung anfühlen, denke ich bei mir. Es ist 20 Uhr und ich stehe erneut am Flughafen Wattay. Nur hole ich heute nicht meine Freunde aus Deutschland ab, sondern bringe sie zu ihrem Heimflug. Wahnsinn, die 16 vergangenen Tage sind einfach nur so dahingerast, aber so ist es ja immer mit den Dingen, die Freude machen und den Bauch vor lauter Lachen hüpfen lassen. Jan und ich vertilgen noch einen Hot Dog. Es wird Zeit, der Flug geht um 21.30 Uhr. Abschied ist angesagt – wir marschieren gemeinsam zum Check-in und dann geht es schnell. Noch mal ein „Danke Jani, wir sehen uns bald zu Hause“, eine fette Umarmung, ein Schulterklatscher und dann reihen sich Jan und Dustin auch schon in die kleine Warteschlange ein. Fünf Minuten später verschlingt sie die Tür des Sicherheitsbereiches. Ich gehe mit May noch bis zur Absperrung. Das Flugzeug startet und wir bleiben, bis es außer Sichtweite ist.

"Sei nicht traurig, Jani"

„Sei nicht traurig, Jani, nicht mehr lange und du siehst sie wieder. Bald bist du auch in Deutschland“, versucht mich May aufzumuntern. Stimmt, in vier Wochen fliege ich. Komisches Gefühl – ich bin still und hänge meinen Gedanken nach, lasse die letzten 16 Tage gedanklich Revue passieren und schon muss ich grinsen.
Rückblick: Wir bleiben zunächst noch zwei Tage in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, bevor es nach Ban Nonsavang geht. Hier gibt es viel zu sehen und so beginne ich, Jan und Dustin meine persönlichen Lieblingsorte, aber auch die noch eingeschränkte „touristische Vielfalt“ zu zeigen. Abends geht es auf eine Geburtstagsfeier. Der Vater eines Freundes feiert und selbstverständlich (!) sind meine Gäste seine Gäste. Es geht ruhig und gesittet zu, gerade richtig nach einer so langen und anstrengenden Reise.

Später gehen wir noch in eine Bar mit, für westliche Ohren, durchaus gewöhnungsbedürftiger laotischer Musik. Die Stimmung ist ausgelassen und wir freuen uns auf eine spannende Zeit, bevor wir todmüde ins Bett fallen. „Der Jetlag fordert seinen Tribut“, denke ich amüsiert, als ich Jan und Dustin zum Frühstück treffe. Wir beschließen, aus Kostengründen in ein nahe gelegenes Guesthouse zu wechseln. Wir brauchen nur ein Bett, denn wir werden nonstop unterwegs sein. Wir schlendern am Ufer des Mekong entlang und schauen uns Vientiane an. Am späten Nachmittag beschließen wir den einige Kilometer entfernten Buddhapark (Xiang Khouan) aufzusuchen. Leider müssen wir den wunderschönen Skulpturengarten beinahe im Dauerlauf erkunden, da dieser um 17 Uhr schließt und wir erst um 16.30 Uhr ankommen. Es reicht aber noch für nachhaltige Eindrücke und einige Fotos. Den Tag lassen wir auf dem Nightmarket und bei einem guten Essen ausklingen. Am nächsten Tag reisen wir holpernd in einem Van nach Nonsavang. Endlich kann ich den Jungs meinen Einsatzort und mein „Zuhause“ zeigen. Sie sind von der einfachen Lebensweise und der Freundlichkeit der Menschen beeindruckt. Ich nehme sie mit in den Unterricht. Jan spielt zu Hause in einer Band und so leiht ihm ein Schüler eine Gitarre. Tja und dann braucht es keine Übersetzung mehr. Am Ende singen wir alle Lieder von Ed Sheeran und der Abend wird ein Selbstläufer mit Unterhaltungswert. Musik kennt ja bekanntlich keine Grenzen…
Fortsetzung folgt als Teil 19, hier auf Scenario.