52-Stunden-Flug: Immatrikulation schwer gemacht

Laos - Teil 20 Es gilt auch für mich. Letzter Abgabetag bzw. Bewerbungsfrist für das Wintersemester 2016/2017 ist der 15. Juli 2016. Die Tatsache, dass ich 8 777 km von Deutschland entfernt an meinem Schreibtisch sitze, eine Zeitverschiebung von plus fünf Stunden und einen ständigen Internetabsturz zu beklagen habe, interessiert nicht.

  • Laos Jan-Henrik

    Tut sich da was? Jan-Henrik versucht seit Stunden, sich vom laotischen PC online für den Studiengang „Asienwissenschaften“ bei der Uni Berlin anzumelden.

Ich wühle mich durch das Info-Paket, das meine Mutter in Zusammenarbeit mit der Abiberatung für mich geschnürt hat. Zum Glück ist das komplette Bewerbungsprozedere von Hochschulstart ausgedruckt und so habe ich schon mal eine ungefähre Vorstellung von der Abwicklung des Verfahrens. Dennoch – ich raufe mir die Haare. Mir schwirrt der Kopf von diesen Begrifflichkeiten. Örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge, DOS-Verfahren, unterschiedliche Bewerbungsregeln. Ich versuche, mich in die Logik der Unis und der angebotenen Studiengänge einzufühlen. Es gelingt nicht wirklich. Kein einheitliches System – für mich jedenfalls nicht sofort erkennbar. Wie ist eine Kopie zu beglaubigen und wer darf eine Beglaubigung vornehmen? Immatrikulation – aber bitte erst mit gültigem Zulassungsbescheid und Beleg für die Einzahlung des Semesterbeitrages. Studentenwohnheim? „Super,“ denke ich, „da setze ich mich schon mal auf die Warteliste“. Es klappt ein Feld auf „Bitte setzen Sie die Immatrikulationsnummer ein“. Hä? Ich habe doch noch keine! Da – ein weiterer Hinweis: Die Immatrikulationsnummer ist zwingend einzutragen, sonst erfolgt kein Eintrag in die Warteliste. Bitte keine Anrufe, Anfragen oder E-Mails – es gibt keine Ausnahmen. „In Gedanken höre ich den Komiker Bülent sagen: „Du kommst hier net rein“. Supi, von Laos aus ist alles wirklich einfach zu regeln.

Zeitverschiebung und schlechte Leitung

„Sie haben Fragen?“ „Ja“, denke ich, „dann rufen Sie das Studentensekretariat an. In der Zeit von ... bis ... sind wir für Sie da“ Super – Zeitverschiebung – Arbeit? Schlechte Leitung? „Sie können uns natürlich auch per E-Mail erreichen. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass der Andrang groß ist. Die Beantwortung wird also etwas dauern.“
Ich wälze mich weiter durch das Merkblatt von Hochschulstart und durch Studienführer. Ich schiele zu Tobi rüber. Der versucht sich auch gerade mal wieder einzuloggen. Klappt in der Regel auch. Dann ist man auf dem Uniserver, klickt auf die nächste Seite oder grau hinterlegten Felder und… es passiert nichts. Die Seite wirkt wie eingefroren, wäre da nicht oben links in der Ecke meines Laptop-Bildschirms dieser kleine Kreis, der nicht aufhören will, sich zu drehen. Ein Zeichen… zumindest ist ein Seitenaufbau in Planung. Ich muss gähnen, denn dieser kleine sich drehende Kreis wirkt schon beinahe hypnotisierend, einschläfernd – keinesfalls erfrischend. Ich warte wieder einmal geduldige drei, vier, fünf Minuten – die fühlen sich natürlich an wie eine Stunde. Tobi flucht neben mir. „Oh Mann, jetzt reicht es aber! Ich bin schon wieder raus.“ Ich lache: „Ich bin noch nicht mal drin. Sag mal, ist unser Router vielleicht schon wieder im Eimer?“

Alle Lampen blinken grün, aber...

Tobi und ich schauen uns unseren taschenrechnergroßen Router argwöhnisch an. Es ist inzwischen unser fünfter Router in der Zeit hier in Laos. Irgendwie ist so ein tragbarer Router zwar praktisch, aber leider auch sehr anfällig. Wir prüfen ihn genau, denn wir sind hier inzwischen sehr erfahren. Nein, an ihm liegt es nicht. Alle Lampen blinken grün, genug Strom hat er auch, eigentlich alles gut. Eigentlich. Wie getretene Hunde schleppen wir uns wieder an unsere Schreibtische, der Termin der Bewerbungsphase drängt.
Was ist, wenn wir es nicht schaffen? Panik steigt auf. Ich darf gar nicht daran denken. Da passiert es. Ich bin auf der Seite von der Humboldt Universität Berlin – „Juchhuu“ – ich jubel nicht nur innerlich. Ein lautes „Yes, geht doch“ kommt mir über die Lippen. Ich schaffe es, mich tatsächlich einzuloggen und mir ein Passwort zu vergeben. Jetzt nur noch auf „Hochschulstart“. Ich bin guter Dinge. Da passiert es: Das Bild friert ein, auch dieser sich drehende Kreis – nicht erkennbar. Ich könnte schreien! Meiner inzwischen gerne angenommene Lebensphilosophie der Laoten „Macht nichts – wird schon“ kann ich jetzt mal gerade gar nichts abgewinnen!
Tobi geht es auch nicht besser – Standbild. „Komm Jani, ’n Kaffee und dann auf ein Neues!“ Wir gehen also in unsere Küche und machen uns einen Kaffee. Wir gehen an unseren PCs vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen, und setzen uns auf die Terrasse. Erst mal durchatmen. Eine halbe Stunde später wollen wir es noch einmal versuchen. Es klappt! Hochschulstart. Begrüßung – Willkommen – Ich kann mich eintragen und bekomme auch die so wichtige Bewerber-identifikations-Nummer BID und die Bewerber-Authentifizierungs-Nummer BAN. Damit kann es dann endlich weiter gehen – Ach, Moment mal…

„Hey Tobi, wir müssen unser Abizeugnis bei Hoch-schulstart als pdf hochladen!“ „Kannst du vergessen, Jan. Wir kommen schon nur schwer auf die Server, siehst doch wie lahm das ist. Wie sollen wir da ein Dokument hochladen?“ Meine Augen schmerzen, so sehr starre ich gebannt auf den Bildschirm: „Müssen wir aber.“
Ich beschließe, mich später um das Hochladen der erforderlichen Dokumente zu kümmern. Logge mich aus und bei der HU – ein. Nachdem Benutzerkennwort und Passwort eingetragen sind, erfolgt erst nichts und dann: „Benutzerkennung oder Passwort sind falsch“ – rot hinterlegt. „Was???“ Ich habe es aufgeschrieben – Vergleiche es und versuche es erneut. Ich warte, warte, warte und wieder „Benutzerkennung oder Passwort sind falsch“. Mein Blutdruck steigt und ich drücke auf den Button „Passwort vergessen?“ und warte auf den Link der Uni.

Warten, warten – kein Pling. „Wie läuft’s bei dir, Tobi?“ Die Frage hätte ich mir schenken können: Er fordert auch gerade ein neues Passwort an und es wird wieder Zeit für einen Kaffee. „Pling“ – Ah, der Weiterleitungslink. Klasse, ich folge. Ich komme auf die Seite – sie ist noch nicht klar, aber baut sich auf und dann erscheint: „Entschuldigen Sie, es sind Wartungsarbeiten erforderlich. Versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch ein-mal.“ Jetzt könnte ich glatt in die Tischkante beißen! „Komm Tobi, wir gehen etwas essen – vielleicht klappt es später.“
Es gibt ein Happy End: Wir schaffen es dann doch noch und hoffen nun, auch auf die Zulassung zum Wunschstudium: Asienwissenschaften.
Jan-Henrik Seifert (19, Recklinghausen) ist für ein ganzes Jahr vor Ort in Laos in Südostasien. In der Stadt Vientiane arbeitet er mit der staatlichen Jugendorganisation Lao Youth Union zusammen und unterstützt dort als Freiwilliger die Lehrkräfte zum Beispiel im Englischunterricht. Mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ ist er in diese spannende Zeit gestartet. Er erzählt Euch hier auf dieser Seite regelmäßig, wie es ihm ergeht.


AUTOR
Jan-Henrik Seifert
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    22. August 2016, 07:55 Uhr
    Aktualisiert:
    15. Dezember 2016, 03:34 Uhr