52-Stunden-Flug: Neuseeland von ganz oben

Neuseeland - Teil 5 „Chris, wenn wir schon mal hier in Neuseeland sind, müssen wir auch irgendwas Ultrakrasses machen!“, so mein Reisegefährte Guido, nachdem wir ein paar Wochen gemeinsam unterwegs waren. „Hm… was könnte man denn machen?“ Dann fällt es uns ein: Das Krasseste, was man hier in Neuseeland überhaupt machen kann, ist ein Skydive!

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  • Neuseeland Chris

    Schwerelos und völlig frei fühlt sich Chris (l.) in diesem Moment. Der Work-and-Traveller gönnt sich einen teuren, aber lohnenswerten Skydive mit Partner Joe.

  • Neuseeland Chris

    Noch hat Chris sicheren Boden unter den Füßen und trotzdem ist ihm hier bereits sehr mulmig zumute. Denn gleich heißt es: „Einsteigen und fallen lassen, bitte!“

  • Neuseeland Chris

    Endlich ist der Fallschirm auf! Chris (l.) genießt jede Sekunde seines Sprungs.

Wie das geht? Ganz einfach: Man steigt in ein Flugzeug, fliegt 15 000 Fuß, was ungefähr 4,5 Kilometern entspricht, hoch und springt dann einfach! Hört sich einfach an, kostet aber, wie man sich vorstellen kann, eine Menge Überwindung. Dennoch entschließen wir uns, dieses Abenteuer zu wagen. Als Austragungsort suchen wir uns die Stadt Taupo aus, da uns dort beim Fallen ein großartiges Landschaftsbild geboten werden würde. Also, auf nach Taupo – natürlich mit gemischten Gefühlen. Einerseits sind wir tierisch aufgeregt, andererseits freuen wir uns riesig auf das bevorstehende, so besondere Erlebnis.
Am Flugplatz bekommen wir vor Ort direkt eine Einführung in unser bevorstehendes Abenteuer. Die ersten Worte sind: „Dort ist das Klo, bitte entledigen Sie sich vor dem Flug all ihrer Körperflüssigkeiten.“ Welch eine super Begrüßung und vor allem sehr motivierend!

Mir wird etwas anders zumute

Nach einer kurzen Einführung in das, was uns bevorstehen würde, geht es auch schon an die Präparation für den Flug. Jeder von uns mutigen Teilnehmern bekommt einen Partner zugewiesen, mit dem er den Sprung zusammen machen wird. Mein Partner heißt Joe, ein echt cooler Typ, der scheinbar seinen Job als Skydiver über alles liebt. Als er mir den Gurt anlegt, der uns dann hinterher in der Luft zusammenhalten würde, wird mir dann doch etwas anders zumute und plötzlich kommen erste Zweifel. In meinem Kopf schreit es: „Bist du eigentlich bescheuert? Was machst du hier eigentlich? Bist du von allen guten Geistern verlassen?!“ Naja, ein Aussteigen ist jetzt irgendwie kaum mehr möglich…

Nachdem ich dann, im wahrsten Sinne des Wortes, fertig verpackt bin, besteigen wir das kleine pinkfarbene Flugzeug, das uns hoch in den Himmel bringen soll. Die Maschine an sich ist wirklich sehr klein und wir sitzen mit zwölf Leuten auf den beiden Bänken, die den gesamten Innenraum füllten. Bei einer Höhe von 12 000 Fuß wird es hektisch und die ersten vier Leute werden „rausgelassen“. Danach geht es für Guido und mich noch hoch bis auf 15 000 Fuß. Da die Sauerstoffkonzentration in dieser Höhe sehr gering ist, bekommen wir Sauerstoffmasken aufgesetzt, bis wir schließlich auf der richtigen Höhe angekommen sind. Und nun giebt es wirklich kein Zurück mehr! Selbst wenn ich mich mit aller Kraft wehren würde, würde ich nicht gegen Joe ankommen. Die Tür des Flugzeuges öffnet sich und mein Denken setzt aus. Mit einem Satz wuchtet mich Joe nach vorn zur Tür, sodass meine Beine aus dem Flieger baumeln. Drei, zwei, eins… und Sprung! Die kühle Luft schneidet sich mir ins Gesicht und ich falle. Ich falle einfach – dem Erdboden entgegen mit einer Geschwindigkeit jenseits jeder Vorstellungskraft. Ich muss einfach schreien. Joe klopft mir auf die Schulter. Dies ist das Zeichen dafür, dass ich nun die Arme ausbreiten darf, um mich wirklich und endgültig fallen zu lassen.

Was ich sehe, raubt mir den Atem

Und was ich dann sehe, raubt mir den Atem. Unter uns sehe ich den Lake Taupo und um mich herum die wundervolle Landschaft von Neuseeland. In der Ferne kann ich sogar den Mount Doom erkennen, den wir einen Tag zuvor beim „Tongariro Crossing“ bestiegen haben. Nach knapp einer Minute im freien Fall öffnet sich der Fallschirm. Was folgt, ist vollkommene Stille. Noch immer fliegen wir großer Höhe über dem Erdboden und nun kann ich die Aussicht wirklich genießen. In diesem Moment weiß ich, dass es sich gelohnt hat, so viel Geld, unglaubliche 490 Dollar, für den Skydive auszugeben.
Leider befinden wir uns schon im Landeanflug und bald darauf landen wir sanft auf der Wiese am Flugplatz. Wow – einfach nur wow! Ein wirklich atemberaubendes Erlebnis. Vor allem das Gefühl, das man bekommt, wenn man sich wirklich im freien Fall befindet, ist einfach sagenhaft. Man ist einfach frei und schwerelos und die Welt um einen herum erscheint einem plötzlich so klein.

Es ist wirklich schade, dass ich zwar viel von diesem Erlebnis erzählen kann, aber dennoch weißn ich, man kann sich dieses Gefühl wohl kaum vorstellen, wenn man es nicht selbst einmal gemacht hat. Aber damit ich zumindest ein bisschen was von meinem Erlebnis mit nach Hause bringen kann, habe ich ja für Euch Scenario-Lesern Fotos gemacht, damit ich Euch auch einen kleinen Eindruck von meinem Abenteuer bieten kann. Was soll ich sagen, außer: Ich kann jedem einen Skydive empfehlen! Anfangs dachte ich, dass man für einen Skydive wirklich das viele Geld gut ausgeben kann, weil man so etwas ja schließlich nur einmal im Leben macht. Falsch! Ich denke, dass dies nicht mein erster und letzter Skydive war.
Chris Riedel (22, Herten) geht als Work- and-Traveller für vier Monate nach Neuseeland.
Er beginnt seinen Auslandsaufenthalt, den er für sein Studium braucht, in Auckland und will von dort aus so viel wie möglich von Neuseeland sehen. Zu Hause in Herten wartet übrigens der riesige „Family & Friends“-Chor auf Chris, den er als Chorleiter betreut. Aber jetzt wird er erst mal regelmäßig hier davon berichten, was er am anderen Ende der Welt erlebt.

 


AUTOR
Chris Riedel
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    18. September 2016, 12:57 Uhr
    Aktualisiert:
    22. Januar 2017, 03:34 Uhr