Blog: Unter uns

Blog von Maziad Aloush: Eine kleine aber feine Geschichte

MARL Seit bald zwei Jahren lebt Maziad Aloush in Marl. An die deutsche Lebensart hat er sich gewöhnt, seitdem er als Flüchtling aus Syrien kam. Doch manches kommt ihm immer wieder fremd vor. Was das ist, soll eine kleine Geschichte verdeutlichen, die er in seinem neuen Blog erzählt:

„Ein Tourist war auf einer Reise in Mexiko. Er fragte die Fischer, wie lange sie täglich auf Fischfang gingen. „Nicht sehr lange“, antworteten sie. Der Tourist fragte weiter: „Weshalb bleibt ihr nicht länger auf See und angelt mehr?“ Die Fischer erklärten, dass ihr Fang ausreiche, um die Familie zu ernähren.

Der Tourist wollt wissen, „Was macht ihr, wenn ihr so früh von der Arbeit zurück seid?“ Sie antworteten: „Wir spielen mit unseren Kindern, essen mit unseren Frauen, abends besuchen wir unsere Freunde. Wir unterhalten uns und singen miteinander.“

„Ich habe Wirtschaft in Harvard Universität studiert, und kann gerne euch helfen“, sagte der Tourist und schlug vor: „Ihr müsst länger angeln, dann habt ihr mehr Geld und könnt euch ein größeres Boot kaufen. „Und dann?“, wollten die Fischer wissen. „Mit dem großen Boot fangt ihr noch mehr und könnte euch ein zweites und drittes Boot kaufen. Irgendwann habt ihr eine ganze Flotte von Booten und fangt so viel Fisch, dass ihr den Fang direkt an eine Fabrik verkaufen könnt, oder vielleicht habt ihr eine eigene Fabrik. Ihr könntet das kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko-Stadt ziehen.“

Wie lange es dauert, das alles zu schaffen, wollten die Fischer wissen. „Vielleicht 20 bis 25 Jahre“, sagt der Besucher. „Und wenn euer Geschäft weiter wächst, könnt ihr an der Börse spekulieren und Millionen gewinnen.“
Was sie dann machen sollten, fragten die Fischer. Der Tourist antwortete: Ihr könnte in Rente gehen und in einem ruhigen Städtchen am Meer leben. Ihr könnt länger schlafen, mit euren Kindern spielen, mit euren Frauen essen und abends Freunde besuchen.“

Für Maziad Aloush hat das Leben in Deutschland inzwischen einiges an Routine gewonnen. Der nächste Deutschkurs steht kurz vor dem Abschluss. Er hilft ehrenamtlich beim Deutsch und Arabischunterricht im Intercent und in der Gemeinde Herz Jesu – und wartet darauf, dass seine Eltern einreisen dürfen. Die haben in der deutschen Botschaft in Beirut inzwischen den Antrag für ein Visum nach Deutschland gestellt.
 
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