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Die Eltern sind endlich da: Maziad Aloush feiert nach Jahren das Wiedersehen mit seiner Familie

Ein Eintrag von Martina Möller Ein Eintrag von Maziad Aloush

MARL Die Eltern sind da! Maziad Aloush und seine Brüder Mohammad und Ayham erleben gerade die glücklichsten Tage, seitdem sie aus Syrien geflüchtet sind. Nach zweieinhalb Jahren konnten sie ihre Mutter Adeeba Matroud und ihren Vater Faiez Aloush endlich wieder in die Arme schließen. Die Eltern durften mit einem Visum nach Deutschland einreisen.

  • Maziad Aloush

Seit fast zwei Jahren schreibt Maziad Aloush aus Syrien für die Marler Zeitung in einem Blog über seine Flucht und sein neues Leben in Deutschland – davon wie er die deutsche Sprache lernt, Freunde gefunden hat. Er hat vom langen Warten berichtet, von seiner Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr und von der Erlaubnis endlich eine Arbeit annehmen zu dürfen. Jetzt erzählt er überglücklich vom Wiedersehen mit seiner Familie. Er schreibt:
„Endlich durften meine Eltern nach Deutschland reisen. Am vergangenen Freitag war es so weit. Wir konnten sie am Flughafen abholen. Jetzt sind sie bei uns in Marl. Lange haben wir darauf gehofft, immer wieder geriet die Hoffnung ins Wanken, dass wir unsere Eltern wiedersehen. Unsere Gefühle in dieser Zeit sind schwer zu beschreiben. Alle waren angespannt und nervös.

Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren für unsere Familie sehr lang und voller Stress. Es begann 2012, nachdem das Assad-Regime unsere Stadt (Deir-Ezzor) in Syrien bombardiert hatte. Damals waren wir gezwungen, zu flüchten. Der Alltag wurde immer schwerer, die Versorgung immer schlechter, wir waren in allen Richtungen durch Militärgrenzen von der Außenwelt abgeschnitten.

2014 musste ich aus meiner Heimat flüchten, weil ich weder für die Truppen von Präsident Assad noch für die Rebellen der Al-Nusra-Front und nicht für den IS kämpfen wollte. 2015 sind meine zwei Brüder in die Türkei gefolgt und haben sich mir angeschlossen. Wir sind über die Balkanroute schließlich nach Deutschland gekommen.
Hier mussten wir lange auf die Aufenthaltsgenehmigung warten. Aber als mein jüngster Bruder Ayham im März dieses Jahres den Flüchtlingsstatus bekommen hatte, schöpfte ich wieder Hoffnung, dass wir unsere Eltern wiedersehen können.

Ich habe mich beeilt und alle Formalitäten für den Visumantrag meiner Eltern erledigt. Aber leider kamen sie nicht über die Grenze von Syrien zur Türkei, um in der deutschen Botschaft ihren Anhörungstermin wahrzunehmen.
Ich habe nach anderen Möglichkeiten gesucht. Mithilfe meiner deutschen „Ersatzmutter“ habe ich die deutsche Botschaft im Libanon kontaktiert und um einen Termin gebeten. Es dauerte nur drei Tage, bis die Antwort kam, zwei Wochen später hatten meine Eltern einen Termin. Dann funktionierte die Bürokratie ganz schnell. Am 21. Juli haben wir mit Verwandten und unserem Freund Peter Tegtmeier unsere Eltern vom Flughafen abgeholt.
Jetzt kommen für unsere Familien wieder gute Tage. Ich möchte mich noch mal bei allen Freunden bedanken, die uns geholfen haben, uns viel Stress erspart und ganz fest die Daumen gedrückt haben.“
 
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Martina Möller
Martina Möller
Redaktion Marl

Seit 2007 Redakteurin im Medienhaus Bauer.

Mazyad Maloush
Maziad Aloush
Gast-Autor

Maziad Aloush ist 31 Jahre alt und musste aus Syrien fliehen. Der Englischlehrer ist schließlich in Marl gelandet und möchte am liebsten sofort etwas tun - wenn da nicht die Behörden wären. In seinem Blog berichtet er über seine Flucht, aber vor allen Dingen auch über seine Zeit im Kreis Recklinghausen.

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    24. Juli 2017, 18:03 Uhr
    Aktualisiert:
    25. Juli 2017, 13:28 Uhr
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