Blog: Unter uns

Maziad bloggt: Ein Jahr in Deutschland

Ein Eintrag von Maziad Aloush

MARL. Das erste Jahr ist um. Für Maziad Aloush (32) und seine Brüder Mohammad und Ayham aus Syrien hat vor zwölf Monaten in Deutschland ein neues Leben begonnen.

  • Maziad Aloush (32) Foto: Martina Moeller

Sie flohen vor Krieg, Terror und vor der Gefahr, in Syrien von einer der Kriegsparteien zum Militärdienst gezwungen zu werden. Seit Oktober 2015 haben die Drei in Marl ein neues Zuhause. Über seine Erfahrungen in Deutschland schreibt Maziad Aloush für unsere Zeitung in seinem Blog:

„Ich bin am 10. Juli 2015 angekommen, seit zwölf Monaten lebe ich in Nordrhein-Westfalen. Ich bin von einer Stadt zur anderen und wieder zu einer anderen umgezogen. Seit 6. Oktober 2015 lebe ich in Marl. Die ersten drei Monate waren schwer für mich und voller Stress. Aber dann ist es Tag für Tag leichter geworden. Ich habe viele hilfsbereite Leute getroffen. Ich habe es manchmal wirklich gebraucht, dass mich jemand anlächelt und mich unterstützt. Das hat mir geholfen, mehr Geduld zu haben.

Zwölf Monate habe ich jetzt hier verbracht – die meiste Zeit davon mit Warten und Lernen. Ich habe ständig auf irgendwelche Neuigkeiten von meiner Familie in Syrien gewartet. Ich habe darauf gewartet, dass sich meine Situation hier verändert und ich endlich meine deutschen Papiere bekomme. Bis jetzt warte ich immer noch auf dieselben Dinge.

Im Februar habe ich mit dem Deutsch-Unterricht angefangen. Den ersten Kurs bis zum A-1-Level habe ich beendet. Jetzt mache ich mit dem A-2-Kurs weiter.

Manchmal stelle ich mir komische Fragen: Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis bekommen pro Monat 404 Euro für den Lebensunterhalt. Ist ihr Magen größer als der von Flüchtlingen ohne Aufenthaltserlaubnis? Sie bekommen nur 285 Euro.

Warum kümmert sich die deutsche Bürokratie um jeden, aber nicht um alle gleich?
Warum ist das Telefonieren mit dem Weißen Haus einfacher als das Telefonieren mit BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)? Und warum bekommt man nach 100 Anläufen nur die Antworten „Ich weiß nicht“ oder „Sie müssen warten“.

Ich möchte mich bei vielen Menschen bedanken, bei Pastor Ulrich Müller, Schwester Aloysiana, Familie Riediger, Familie Domrose, Dennis Matissik, Jörg Treczak und noch vielen anderen ... Ich kann sie hier nicht alle nennen. Aber sie sind meine große Familie in Deutschland. Vielen Dank, Familie!“
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.
Mazyad Maloush
Maziad Aloush
Gast-Autor

Maziad Aloush ist 31 Jahre alt und musste aus Syrien fliehen. Der Englischlehrer ist schließlich in Marl gelandet und möchte am liebsten sofort etwas tun - wenn da nicht die Behörden wären. In seinem Blog berichtet er über seine Flucht, aber vor allen Dingen auch über seine Zeit im Kreis Recklinghausen.

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    11. Juli 2016, 16:21 Uhr
    Aktualisiert:
    11. Juli 2016, 17:41 Uhr
  • Orte: