Maziad Aloush über Syrien: In der Heimat tobt ein "religiöser Krieg"

MARL Maziad Aloush aus Syrien lebt seit fast eineinhalb Jahren in Marl. Regelmäßig berichtet er in einem Blog für unsere Zeitung aus seinem neuen Leben. Er schaut mit Sorge auf seine Heimat Syrien, die in weiten Teilen in Trümmern liegt.

  • Maziad Aloush

    Maziad Aloush berichtet in einem Blog für unsere Zeitung aus seinem neuen Leben.

Er schreibt: „Sechs Jahre sind seit dem Beginn der syrischen Revolution vergangen. Für mich gibt es inzwischen viele Gewissheiten. Mein Fazit: Mir scheint es, als gebe es keine Freunde des syrischen Volkes, aber es gibt Freunde des syrischen Öls, der Bodenschätze und des Gelds.

Es sieht so aus, als ob die Vereinten Nationen ein Werkzeug sind, das von den Großmächten der Welt kontrolliert wird, um deren Intervention in anderen Ländern zu rechtfertigen und die kolonialen Interessen zu stärken.

Politik scheint nicht an Emotionen interessiert zu sein, und die Menschenrechte nicht ihre Priorität.
Scheinbar bringt kein Nachrichten-Netzwerk Meldungen unparteiisch in die Weltöffentlichkeit. Jeder versucht, eine bestimmte Agenda zu verbreiten.

Ursprünglich war die Revolution in Syrien ein Volksaufstand. Mithilfe russischer und iranischer Unterstützung ist daraus ein religiöser Krieg geworden.

Als ich zehn Jahre alt war, habe ich die folgende Geschichte zum ersten Mal gehört: Sie erzählt, dass es drei Kühe im Dschungel gab: eine Schwarze, eine Rote und eine Weiße. Niemand konnte ihnen etwas anhaben. Immer wenn ein Wolf kam oder ein Raubtier sie anfallen wollte, standen die Drei zusammen und bildeten eine Verteidigungsmauer, sodass niemand an sie herankam.

Eines Tages näherte sich der Löwe ihnen, aber sie standen zusammen und waren bereit, ihn anzugreifen. Da hob er die weiße Fahne, um mit ihnen zu sprechen, und sagte zu ihnen: ‹Ich bin der König des Waldes, und niemand wagt es, meinen Befehl zu verweigern. Ich bin hier, um euch meinen Dienst anzubieten. Ich werde euch verteidigen, damit ihr im Wald sicher seid, drei Kühe ohne Gegner.›

Und tatsächlich verteidigte und beschützte der Löwe sie. Wenn ein Raubtier kam, um die Kühe anzugreifen, griff der Löwe es an und warf es aus dem Dschungel.

Und so vergingen die Tage. Eines Tages kam der Löwe zu der roten und der schwarzen Kuh und sagte zu ihnen: ›Ich kann nicht alle drei Kühe schützen. Die Farbe der weißen Kuh ist bei Tag und Nacht sichtbar. Das macht uns Ärger. Aber eure Farben sind dunkel und fallen nicht auf. Wenn wir die weiße Kuh loswerden, ist es einfacher, euch zu beschützen.› Die rote und die schwarze Kuh stimmten zu.

Da griff der Löwe die weiße Kuh an und fraß sie. Es vergingen Tage und Wochen. Dann kam der Löwe zu der schwarzen Kuh und sagte: „Deine Farbe ist ausgezeichnet, aber die Farbe der roten Kuh ist deutlich zu sehen. Das macht uns Ärger. Wenn wir die rote Kuh loswerden, ist es einfacher, dich zu beschützen.› Die schwarze Kuh stimmte zu. Da griff der Löwe die rote Kuh an und fraß sie.

Die Tage vergingen, dann war die schwarze Kuh an der Reihe. Der Löwe kam zu ihr. Sie sah seinen verschlagenen Gesichtsausdruck und bat ihn um Gnade und einen schnellen Tod. Sie sagte: ›Seitdem wir die weiße Kuh aufgegeben haben, wusste ich um meine Lage und dass das Ende nahe ist.›“
 
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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    19. Dezember 2016, 18:49 Uhr
    Aktualisiert:
    19. Dezember 2016, 18:53 Uhr
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