Maziad Aloush über die Versorgung in Syrien: Acht Stunden Strom und alle drei Tage Wasser

MARL/GLADBECK. Von seinem Praktikum beim Strom- und Gasnetzbetreiber EVNG hat Maziad Aloush (32) in unserer Zeitung bereits berichtet. Nach zwei Wochen im Arbeitsalltag beim Kunden- und Monteurdienst zieht der junge Syrer nun einen Vergleich mit seinem Heimatland Syrien.

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    Maziad Aloush Foto: Martina Moeller

„Seit dem 1. August mache ich ein Praktikum bei der EVNG in Gladbeck. Ich stelle fest, wie viel die Kollegen arbeiten, damit die Versorgung und der Kundendienst funktionieren. Das Praktikum gibt mir eine gute Gelegenheit, Unterschiede zwischen Deutschland und Syrien zu erklären:

Vor fünf Jahren gab es in Syrien noch keine Revolution, aber es gab einen Diktator. Er beherrschte alles und hat 80 Prozent vom Bruttosozialprodukt unseres Landes geraubt. Syrien ist kein armes Land, es gibt viele Ölfelder, Erdgas, Phosphat, Salz und zahlreiche andere Bodenschätze. Darüber hinaus werden viele Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste, Mais und Baumwolle angebaut – die Qualität der syrischen Baumwolle ist weltweit eine der besten. Es werden Hülsenfrüchte, Gemüse, Tabak, Obst und Oliven produziert – Syrien ist der viertgrößte Olivenöl-Produzent in der Welt. Auch die Viehhaltung spielt eine Rolle. Es gibt Schafe, Kühe, Kamele, Pferde, Büffel, Ziegen und Geflügel sowie Fischzucht. Trotzdem herrscht in Syrien Armut, weil dieser Diktator herrscht. Den meisten Menschen fehlt es am Notwendigsten zum Leben.

Die Syrer haben bestenfalls acht Stunden Strom pro Tag, alle drei Tage fließt für drei Stunden das Wasser. Also verwenden sie Generatoren mit einer Leistung von nicht mehr als 1 000 Watt. Das reicht nur für einen Kühlschrank und einige Lampen. Um einen Wasservorrat anlegen zu können, hat fast jedes Haus einen Wassertank mit 1 000 Liter Fassungsvermögen, den die Bewohner bei jeder Gelegenheit auffüllen.

In Deutschland fällt der Strom höchstens einmal für ein paar Stunden aus, und das auch nur, weil es eine Störung gibt und etwas repariert werden muss, nicht weil der Strom rationiert wird, wie es in Syrien der Fall ist. Wasser aus dem Wasserhahn ist trinkbar und von hoher Qualität und Reinheit. Die medizinische Versorgung und die Notfalldienste sind weltweit einmalig. Beim Vergleich von Deutschland und großen Teilen der Welt werden wir feststellen, dass Deutschland eine großartige Versorgung bietet, die in 90 Prozent aller Länder fehlt. Wir haben ein Stück vom Paradies auf Erden gefunden.“
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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    17. August 2016, 16:20 Uhr
    Aktualisiert:
    17. August 2016, 16:24 Uhr