Maziad bloggt: Der Bescheid ist da, die Enttäuschung ist groß

Marl Die Enttäuschung könnte nicht größer sein. Ende November, zehn Monate nach der ersten Befragung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), flatterte dem Syrer Maziad Aloush die amtliche Entscheidung über seinen Asylantrag auf den Tisch. Der 32-Jährige bekommt für ein Jahr den sogenannten subsidiären Schutz. Darüber hinaus wird der Antrag auf Asyl abgelehnt. Heute schreibt er in seinem Blog darüber.

  • Maziad Aloush (r.).

In seinem Blog beschreibt Maziad Aloush, wie seine Hoffnungen mit einem Schlag zunichte gemacht worden sind. Außerdem ist ihm unverständlich, warum es in Deutschland so große Unterschiede beim Umgang mit Flüchtlingen gibt. Er schreibt:

„Zweiundzwanzig junge Menschen haben sich auf der Flucht in einer Gruppe zusammengeschlossen. Sie sind zusammen nach Deutschland gekommen und am selben Tag in derselben Erstaufnahmestelle in Dortmund gelandet.

Danach war es ein mehr oder weniger glücklicher Zufall, in welche Stadt Nordrhein-Westfalens die jungen Flüchtlinge geschickt wurden. Die einen hatten mehr, die anderen weniger Glück. Zweiundzwanzig entschlossene junge Menschen waren auf einem Schlauchboot vom türkischen Strand Richtung Deutschland losgefahren. Sie wurden von ihrem festen Willen getragen und waren voller Hoffnung. Jeder von ihnen hatte ein Ziel, das er in seinem Traumland Deutschland erreichen wollte. Es gab einige, die schon einen Beruf hatten, es gab andere, die Ausbildungen nicht abschließen konnten, weil in Syrien seit fünf Jahren Krieg herrscht.

Zwischen den jungen Leuten entwickelten sich vertraute Beziehungen, weil sie jede Minute der Flucht zusammen erlebten. Mehrmals schliefen sie nachts in den Wäldern unter freiem Himmel. Sie teilten sich die vier vorhandenen Wasserflaschen.

Bis jetzt sind wir alle über eine Whatsapp-Gruppe in Kontakt geblieben. Jeden Tag hören wir voneinander, welche Neuigkeiten es gibt, jeden Tag fragen wir einander: Was ist los?

Wer Glück hatte, hat viel erreicht und viel bekommen. Wer kein Glück hatte, bekam nichts. Einige, die voller Entschlossenheit hierher kamen, sind an der Mauer der Bürokratie abgeprallt. Es gibt Leute aus unserer Gruppe, die bis jetzt in einem Flüchtlingsheim leben und bis jetzt keine Möglichkeit haben, einen Deutschkurs zu besuchen. Andere sind auf dem Weg in ihr neues Leben schon weitergekommen und haben Arbeit gefunden.
Dass es so große Unterschiede gibt, kann in weniger entwickelten Ländern passieren. In einem Land wie Deutschland ist das unglaublich. Wenn es um den Umgang mit Flüchtlingen geht, ist dieses Land weit entfernt von einer einheitlichen Ordnung. Wie lange soll das Leben eines Flüchtlings von der Stimmung eines Bundesbeamten abhängen? Wo bleiben Rechtsgrundsatz und Gleichstellungsprinzip?“

Wenig nachvollziehbar ist die Entscheidung des BAMF für Maziad Aloush auch aus diesem Grund: Er war zusammen mit seinen zwei jüngeren Brüdern (20 und 17) im Januar in Dortmund beim ersten Anhörungstermin. Ergebnis: Bruder Mohammad bekam im Juni eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre, Maziad wird jetzt für ein Jahr Schutz gewährt, der jüngste Bruder Ayham hat noch gar keinen Bescheid bekommen.
 
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. November 2016, 14:32 Uhr
    Aktualisiert:
    30. November 2016, 14:36 Uhr
THEMEN