Weihnachtszeit: Das größte Geschenk ist die Familie

MARL Es ist das erste Mal, dass ich diese Tage in einem europäischen Land verbringe. In Marl sah ich Glück in den Gesichtern der Menschen. Alle waren sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen und mit dem Einkaufen von Lebensmitteln und Geschenken. Auch für mich war es eine gute Zeit, weil ich zum ersten Mal wieder das Gefühl von Weihnachten verspürte, das wir in Syrien vor fünf Jahren verloren hatten. Dort hoffen die Kinder jetzt auf einfache Dinge, die sich für sie anfühlen wie große Träume. Sie wünschen sich Elektrizität, um fernsehen zu können, Wasser, eine Schule und warme Nächte ohne Bomben.

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  • Brücke in Deir-Ezzor

    So sah die Brücke bei Deir-Ezzor vor ihrer Zerstörung aus. / That is how the bridge looked like before it was destroyed. Foto: Maziad Aloush

  • Brücke von Deir-Ezzor

    So malerisch sag die Brücke einst aus. / In the past the bridge was that beautiful.

  • Brücke Deir-Ezzor

    Nach ihrer Zerstörung liegt die Brücke im Euphrat. / After its destruction the bridge lays in the river Euphrates.

 

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Das größte Geschenk für alle Flüchtlinge, die hier sind, ist der Kontakt zu ihren Familien. Ich konnte ein langes Video-Telefonat mit meiner Familie führen. Danach haben wir aus lauter Freude darüber eine kleine Party gefeiert.


Ich habe zu Weihnachten eine Menge Geschenke bekommen, aber das beste war ein Bild der Almualaq-Brücke in meiner Heimatstadt Deir-Ezzor. Sie war so etwas wie ein Wahrzeichen von Deir-Ezzor. Die Brücke wurde zwischen 1927 und 1931 von der französischen Besatzungsmacht gebaut. Jeder Bewohner von Deir-Ezzor verbindet Erinnerungen mit ihr. Sie war 500 Meter lang und 36 Meter hoch. Am 2. Mai 2013 lag sie in den Armen des Euphrat. Sie hatte die schmerzvollen Bombenangriffe nicht aushalten können. Die Hängebrücke galt als die Zweitälteste ihrer Art in der Welt. Die Älteste befindet sich im Süden Frankreichs.
Die Brücke ist eines von vielen schönen Dingen, die in Syrien zerstört worden sind. Syrien hat sein strahlendes Gesicht verloren.

In Syrien gehen alle Christen normalerweise am Morgen des 24. Dezember zur Kirche, danach besuchen sie sich gegenseitig. Am Abend geht jede Familie zum Haus des Großvaters, um dort zu feiern. Einige christliche Glaubensgemeinschaften fasten 50 Tage vor dem Fest, deshalb bereiten sie für diesen Abend eine Menge Fleisch zu.

Einige Kirchen laden in der Nacht zum Gebet ein. Alle Balkone sind mit Lichtern geschmückt. Es sehr wichtig, für diesen Tag neue Kleider zu kaufen, vor allem für die Kinder. Sie haben an Weihnachten neue Kleider an und bekommen Geld von ihren Eltern. Jugendliche und junge Erwachsene ziehen in Gruppen von Haus zu Haus. Der Tag ist ein Segen für alle.

Alber Jackob, der Vater meines guten Freundes Youseph, versammelte zu jedem Weihnachtsfest seine Söhne und Töchter um sich herum und sagte ihnen. „Dieser Tag ist segensreich, er ist für Jesus und wir müssen ihn feiern, egal, was passiert. Selbst wenn ich oder eure Mama sterben sollten, müsst ihr ihn feiern.“

Die Feierlichkeiten beginnen am 24. Dezember und dauern bis zum Neujahrstag. Alle Glaubensgemeinschaften beglückwünschen sich gegenseitig, als da sind: Armenier, Orthodoxe, Syrisch-Orthodoxe, Chaldäische Katholiken und Assyrische Orthodoxe.

Syrien war ein sehr schönes Mosaik aller Glaubensgemeinschaften.

Bis nächste Woche!

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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    28. Dezember 2015, 15:18 Uhr
    Aktualisiert:
    1. Januar 2016, 17:45 Uhr