Blog: Unter uns

: Aus für Datteln 4 wäre hausgemacht

Ein Eintrag von Markus Weßling

DATTELN Bei der feierlichen Grundsteinlegung fürs E.ON-Kraftwerk im November 2007 gab sich der damalige Dattelner Bürgermeister Wolfgang Werner „stolz und glücklich“. Gut elf Jahre später feiert niemand mehr Steinkohle-Kraftwerke, so modern und effizient sie auch sein mögen.

  • 1,5 Milliarden Euro in den Sand gesetzt? – Es sollte das modernste Kohlekraftwerk Europas werden, doch Datteln 4 droht nun das Prädikat „Deutschlands teuerste Bauruine“. Unser Foto zeigt den fast fertigen Bau im Juni 2017. Foto: Gutzeit

Die Energiewende und der steigende Druck, die Klimaschutzziele einzuhalten, haben die Energie-Landschaft gründlich verändert. Das Kraftwerk Datteln 4 steht vor dem politisch gewollten Aus. Der Umweltverband BUND sagt nun, schon 2007 hätte man vorhersehen können, dass sich die Milliardeninvestition als Milliardengrab erweisen würde und besser die Finger davon gelassen.

Milliardenprojekt vor dem Aus: Für Datteln 4 ist das Ende in Sicht

Die Kohlekommission hat Nägel mit Köpfen für den Ausstieg aus der fossilen Energie gemacht– und eine Milliardeninvestition in den Sand gesetzt? Es sieht danach aus, dass doch die Politik den Deckel drauf macht und der letzte Kohlekraftwerksneubau in Deutschland nie ans Netz gehen wird – wegen des Klimaschutzes. Auch Betreiber Uniper scheint nun zu Gesprächen bereit zu sein. mehr...

Das wäre ein bisschen viel verlangt gewesen. Richtig ist aber auch: Für das absehbare Aus für Datteln 4 gibt es spezifische Gründe, die mit der energiepolitischen Großwetterlage und der Kohlekommission nichts zu tun haben. Für den Standort am Dortmund-Ems-Kanal nahe einer Wohnsiedlung, so schrieb das Oberverwaltungsgericht 2012, spreche rein gar nichts – außer dem Willen des Investors. Dafür, dass das Kraftwerk nicht ans Netz gehen konnte, als dafür die Vorzeichen noch günstiger standen, trägt also allein der Kraftwerksbetreiber die Verantwortung. Der hat blauäugig geplant, unglücklich mit den Betroffenen kommuniziert, hatte dazu zuletzt noch technische Probleme mit dem Kesselstahl. Das Thema erinnert an ein nagelneues deutsches Stahlwerk, das dann doch nicht gebraucht und in Einzelteilen nach China verschifft wurde.

Trianel macht hohe Veluste

Einen Steinwurf von Datteln entfernt, in Lünen, hat man es besser gemacht. Dort ist schon seit einigen Jahren ein ähnlich großes Kraftwerk des Stadtwerke-Netzwerks Trianel in Betrieb, ebenfalls modern und effizient. Auch dagegen wehren sich Umweltschützer mit Klagen. Aber viele Themen, die E.ON und später Uniper in Datteln auf die Füße gefallen sind, hat man sich dort vom Hals gehalten – weder gibt es Probleme mit dem Standort, noch mit dem Stahl.

Das Kraftwerk erfüllt die Funktion, die ihm in Zeiten der Energiewende zugedacht ist: Es wird gebraucht, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Allein: Geld verdienen kann man unter den aktuellen Bedingungen damit nicht. Trianel macht Jahr für Jahr hohe Millionenverluste. Energiewende absurd!
Selbst wenn Datteln 4 ans Netz ginge – wirtschaftlich betrachtet würde es dasselbe Schicksal erleiden.
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.
Markus Weßling
Markus Weßling
Redaktion Waltrop

Markus Weßling, Jahrgang 1975, hat mit 17 als freier Mitarbeiter angefangen, in Bochum Geschichte studiert, in Fulda und Datteln als Volontär und Redakteur gearbeitet. Seit 2008 ist er als Redakteur in Waltrop tätig.

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    28. Januar 2019, 08:18 Uhr
    Aktualisiert:
    28. Januar 2019, 12:32 Uhr
  • Orte: