Blog: Unter uns

Ellen ist emotional: Heul doch einfach!

Ein Eintrag von Ellen Jost

Recklinghausen Meine Lippen presse ich aufeinander, der Kiefer ist verspannt und in meinen Augen sammeln sich Tränen. Doch ich will nicht weinen. Ich drücke deshalb still und heimlich meine Zähne mit mächtig Druck weiter zusammen und versuche nicht an einen blauen Elefanten zu denken. „Sei keine Heulsuse!“ , sage ich mir innerlich immer wieder.

Langsam sinkt das salzige Wasser wieder in die geheimen Tiefen meiner Augenhöhle. Nur ein kleiner Tropfen entwischt mir und perlt über meine Wange in die Gegenwart. Zum Glück hat ihn keiner gesehen. 
Traurig zu sein und dazu öffentlich zu stehen ist in unserer Gesellschaft nicht typisch, weil nicht angesagt. Da postet man lieber das bearbeitete Bild vom tollen Tag in der City oder dem Lazy-Day im Bett, den man so genießt. Wenn wir doch aber ehrlich sind, ist da auch oft ein Kloß im Hals, eine Träne im Augenwinkel, weil vielleicht nicht alles so gut läuft.
Oft würde spontanes Losheulen sicher helfen, so wie wir es damals als Kind taten, wenn der eine dem anderen die Schüppe klaute.
Die Angst, Schwäche vor sich einzugestehen und anderen zu zeigen, verhindert das Tränenmeer. So bleiben wir lieber am sicheren Ufer der Selbstdisziplin stehen und verpassen dabei frei zu sein. „Heul doch!“,  werde ich demnächst zu mir sagen und dann hoffentlich öfter Tränen vergießen. 
 
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Ellen Jost
Ellen Jost
Redaktion Datteln / Scenario

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    11. August 2017, 09:22 Uhr
    Aktualisiert:
    11. August 2017, 09:25 Uhr