Blog: Unter uns

Ellen sinniert: Postleitzahlen fürs Leben

Ein Eintrag von Ellen Jost

(Jetzt) Recklinghausen 45711. Diese fünf Ziffern waren über 20 Jahre lang meine Postleitzahl. Für viele sicher nur eine An­ei­n­an­der­rei­hung von willkürlichen Zahlen. Für mich bedeutete die Nummernkombination stets ein Stück Identität.

Das war mir lange Zeit nicht klar. Unachtsam und mechanisch schrieb ich 45711, unter meinem Namen und meiner Straße auf Briefumschläge, links oben in die Ecke. Tippte sie, bei dem Online-Bewerbungsverfahren für das Studium gedankenlos in die Tasten. Dem Möbelhausmitarbeiter, der mich nach meiner Postleitzahl fragte, antwortete ich lokalpatriotisch und deutlich: "Vier, fünf, sieben, eins, eins".
Was bedeuten diese fünf Zahlen für mein Leben? Zugehörigkeitsempfinden zur eigenen Stadt und Gewissheit, dass bereits meine Großeltern die Stadt Datteln ihre Heimat nannten. Außerdem die Erinnerung daran, dass die Postleitzahl einer der ersten Zahlenreihen war, die ich neben der Telefonnummer und Hausnummer im Gedächtnis behalten konnte.

Dann zog ich um. 
Ein paar Wochen strichen ins Land, bis ich plötzlich meine neue Postleitzahl angeben sollte. Ich war erschrocken, fühlte mich heimatlos und hatte keine Ahnung, wie die Ziffern hießen. Noch heute muss ich, wenn ich etwas bestelle oder einen Brief schreibe, kurz nachdenken, wie genau meine Postleitzahl lautet. 
Das sich das je ändert, glaube ich nicht.
 
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Ellen Jost
Ellen Jost
Redaktion Datteln / Scenario

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    13. Oktober 2017, 10:59 Uhr
    Aktualisiert:
    13. Oktober 2017, 11:05 Uhr