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GNTM läuft wieder: Zwischen Schminke und Stumpfsinn

Ein Eintrag von Annika Mittelbach

Marl Endlich ist es wieder so weit, ess-und verhaltensgestörte Mädels turnen in seltsamen Kleidern über den Laufsteg und lassen sich vollkommen zu Unrecht von sogenannten "Modeexperten" kritisieren: Germany's next Topfmodel (!) läuft wieder.

Ja, ja, ich weiß. Vor ein paar Wochen habe ich noch gegen das niveaulose Dschungelcamp gewettert und jetzt sowas. Mir ist die Brisanz von Heidis Sendung durchaus bekannt. Man sollte diesen furchtbaren Sexismus und das seltsame Körperideal, was dort vermittelt wird, nicht unterstützen. Tu ich im Grunde meines Herzens auch nicht. Aber GNTM, wie die Kenner sagen, hat mich seit der 2. Staffel gecatcht und seitdem nicht mehr losgelassen. Die Mädels zicken sich an, die Jury zickt sich an, die Jury die Mädels und andersherum. Es ist ein Traum. Urlaub fürs Gehirn.

Doch gestern war ich das erste Mal an dem Punkt, dass mir die Absurdität der Situation (hübsche Mädels, die in unbequemen Schuhen über den Cäääätwaaaalk staksen) keine Freude mehr bereitet hat. Ich hatte kaum noch Spaß daran, Heidis nervige Stimme, die 100 Oktaven über Normalnull liegt, nachzuäffen oder mich in Thomas Hayo-Manier mit gespreizten Beinen hinzufläzen und über die 50 Mädchen zu urteilen, die von der Kamera vermutlich blöder und aufgedrehter dargestellt wurden, als sie es tatsächlich sind.
Das mag an dem "brandneuen" Konzept der Show liegen. Jetzt heißt es nicht mehr "jeder gegen jeden" und bereit zum Abschuss, nein! Es wurden zwei Teams gebildet, die sich stattdessen an die Gurgel gehen sollen. Dabei hat Heidi doch mehr als einmal betont, dass NUR EINE Germanys next Topfmodel (Ja, TOPF!) werden kann.
Oder aber, und diese Möglichkeit ist beunruhigend, ich bin inzwischen zu alt für so was. Vielleicht ist mein Blick zu sehr auf echte Probleme gerichtet, und nicht darauf, dass X jetzt über Y gesagt hat, dass sie dicke Beine hat und überhaupt, hat die denn keinen Spiegel zu Hause?! Vielleicht kann ich mich mit den minderjährigen Mädchen, die ihren Traum vom Modeln verfolgen, auch nicht mehr identifizieren, weil sie zu weit von mir weg sind. Lokal, emotional und in den meisten Fällen wohl auch vom Intellekt her.

Wie auch immer, meine GNTM-Zeit scheint vorbei. Danke für die schönen Jahre voller Stumpfsinn und menschlicher Abgründe zwischen Schminktipps und Selbstbewusstseins-Zerstörender Kritik.
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Annika Mittelbach
Annika Mittelbach
Redaktion Scenario

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    5. Februar 2016, 11:43 Uhr
    Aktualisiert:
    5. Februar 2016, 12:41 Uhr