Blog: Unter uns

Gewalt und Terror: Was sind wir bloß für Wesen?

Ein Eintrag von Karo Jankowski

Recklinghausen „Wenn du einen verhungerten Hund aufliest und machst ihn satt, dann beißt er dich nicht. Das ist der Grundunterschied zwischen Hund und Mensch.“ Mark Twain gibt uns allen höchstwahrscheinlich die Antwort auf die Frage, wieso solche Sachen passieren. Das ist das Leben, das von Menschen kreiert wurde und das dauerhaft durch menschliche Hand Stück für Stück terrorisiert und zerstört wird.

Ein Jahr hat 365 Tage. An fast jedem einzelnen davon sind dieses Jahr in irgendeinem Land Anschläge verübt worden. Erklärungen haben die Täter höchstwahrscheinlich selber nicht dafür, Gründe hingegen können schemenhaft erläutert werden. Imperialismus, Fremdenhass, Fanatismus, traurigerweise immer öfter pure Langeweile oder Schadenfreude. Amerikaner sprengen täglich die fernöstliche Welt Stück für Stück ins Exil, weil die gerne deren Öl hätten und eine Ausrede für ihre Atomwaffen brauchen. Diverse Terroristen sprengen wiederum sich selber in die Luft, weil sie sich vermutlich selber nicht ganz verstehen und schon so genervt von den Amerikanern sind, dass es ihnen auch egal ist. Eine sympathische Menschheit sind wir.

Wenn ich weiterhin dermaßen über unsere Gesellschaft hetze, kriege ich möglicherweise auch mal das Vergnügen, den deutschen Verfassungsschutz kennenzulernen. Na ja, egal. Ich finde, es ist eine riesengroße Unverschämtheit, ein Event daraus zu machen, wenn jemand stirbt. Trauern ist völlig ok, Bilder auf Facebook hochladen und sein Bedauern zu bekunden, ist mittlerweile ja auch gesellschaftsfähig geworden. Aber dieser ganze mediale Totenkult um Menschen wie Bobby Brown oder Wes Craven ist derartig dekadent, dass mir die Kotze aus allen Poren schießt. Jetzt mal ganz unangenehm in Relation gestellt: Müsste man nicht genauso gut jeder einzigen emsigen, chinesischen Arbeitskraft huldigen, die sich aus Angst vor Folter aus dem 427. Stock eines Hochhauses stürzte, weil irgendwas in der Apple-Produktion schieflief? Oder jedem indischen Familienmitglied, das durch die Ausbeutung immens an Lebensqualität verlor? Da muss man erstmal den Regenwald abholzen, um ein paar symbolische Apfelbaumplantagen zu pflanzen.
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Caro Jankowski
Karo Jankowski
Redaktion Scenario

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    23. Dezember 2015, 15:44 Uhr
    Aktualisiert:
    23. Dezember 2015, 15:48 Uhr