Blog: Unter uns

Lena zieht Bilanz: Es geht mir gut, aber...

Ein Eintrag von Lena Gibbels

Datteln Das Leben meint es wirklich nicht gut mit mir! :D Vor zwei Wochen habe ich die Nachricht erhalten, dass ich ab September ins Ausland gehen kann. So ziemlich sicher, die EU muss es noch bewilligen, aber ich müsste schon sehr viel Pech haben, damit sie das nicht tun würde. Zu jedem anderen Zeitpunkt in meinem Leben wäre ich ungestört selig gewesen, denn zu jedem anderen Zeitpunkt fand ich beinahe alles an meiner Heimatstadt und meinem Leben furchtbar und hatte eigentlich keinen Wunsch, abgesehen von dem, an irgendeinem anderen Ort zu sein. Aber jetzt? Ich war nie glücklicher, als ich es momentan bin.

Ich habe eine Art Kleidungsstil gefunden, habe tolle Freunde und Bekannte, mache die Dinge, die ich tun möchte – ich schreibe für Scenario, engagiere mich sozial und stehe für meine Meinung ein -, bin über Leute, die mich verletzt haben, hinweg, gewinne an Selbstvertrauen und lasse mir weniger gefallen, bilde auf dieser Basis endlich einen Charakter aus, habe magische Orte wie Edinburgh, Amsterdam oder New York City gesehen, meine Noten stellen mich zufrieden, ich habe ein akzeptables Verhältnis zu meiner Mutter und die Zukunft wirkt zum ersten Mal greifbar. Gebt es zu, das klingt utopisch! Ja, zum ersten Mal heißt es nicht „warte ab, Lena, es wird besser“, sondern konkret „es ist besser“. Noch nie habe ich mich akzeptierter und wohler in meiner Haut gefühlt.
Und jetzt gehe ich! Was ist das für ein wahnsinnig schlechtes Timing?! Nie hätte ich gedacht, dass ich irgendwann glücklich genug werden könnte, um hierbleiben zu wollen. War ich ja auch nie. Also muss ich einfach mal all die Dinge aufzählen, die mich doch noch stören – seid vorbereitet, es wird banal, denn ich habe mir endlich ein Leben gebastelt das, für mich so passt.
 
  • Ich gewöhne mich einfach nicht daran, arbeitslos zu sein. 170 Euro Gehalt im Monat war zwar der aufgerechnete Mindestlohn, aber für eine16-Jährige war es ein Vermögen. Ich traue mich schon seit Wochen nicht, mir meinen Kontostand anzusehen. Dabei müsste ich sparen. Außerdem vermisse ich meine Kollegen und das Gefühl eines echten Jobs, das so wahnsinnig anders vom Schulalltag ist. Ich hatte das Gefühl, mein Geld wirklich zu verdienen. Es war toll.
  • Ich vermisse New York von ganzem Herzen. Über ein halbes Jahr ist vergangen, dass ich dort war, und ich denke immer noch jeden Tag daran. Wenn das Wunder eintrifft, könnte ich versuchen, meinen Master zu machen. So oder so hat man mich dort noch nicht zum letzten Mal gesehen.
  • Brennende Flüchtlingsunterkünfte.
  • Ich kriege es einfach nicht hin, meine Haare ordentlich zu färben!!
  • Ich kriege allgemein nichts ordentlich hin. Wer meine Handschrift lesen muss, lacht entweder oder wird wahnsinnig. Meine Abiturklausur wird ein Spaß für die Lehrer!
  • Apropos Abi, mir fehlt die Disziplin, um mit dem Lernen anzufangen, und das wird sehr sehr bald böse Konsequenzen für mich haben. (Ähnlich sieht's mit dem Zimmeraufräumen aus) Aber kann mir vielleicht auch mal jemand erklären, wieso plötzlich alle Lehrer mit den Hausaufgaben eskalieren, besonders solche, die vielleicht zweieinhalb Abischüler haben??
  • Die Arbeit für das Mottokomitee stresst mich etwas. Dienstag rede ich mit unserer Schulleiterin darüber, und ja, okay, ich geb's zu, ich fürchte mich schon etwas. Was muss, das muss.
  • Mein Handy ist kaputt. :(
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Lena Gibbels
Lena Gibbels
Redaktion Scenario

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    1. Februar 2016, 09:22 Uhr
    Aktualisiert:
    1. Februar 2016, 13:39 Uhr