Der britische Schriftsteller Charles Dickens wird in Deutschland möglicherweise verkannt. Foto: dpa
Anlässlich des 200. Geburtstags des Schöpfers von Klassikern wie «Oliver Twist» oder «A Christmas Carol» richtet Lennartz vom 7. bis 9. Juni an der Universität Vechta in Niedersachsen eine internationale Dickens-Konferenz aus. Nach Angaben des Professors ist es die erste und beinahe einzige Dickens-Tagung in Deutschland im Jubiläumsjahr.
«Mir geht es darum, Dickens nicht nur als Vielschreiber, sondern als Leser und Verwerter von Texten darzustellen», erklärte der Wissenschaftler. So habe sich Dickens beispielsweise aus der Bibel, aus Shakespeare-Dramen und romantischen Gedichten bedient. Auch ökonomische und wissenschaftliche Texte flossen in die packenden Romane ein, die soziale Missstände im viktorianischen England anprangern.
Der Schriftsteller unterlief demnach auch traditionelle Familienmuster. In seinen Werken gebe es auffallend viele Junggesellen-Väter, die sich der Erziehung der Kinder annehmen, sagte Lennartz. In dem kontrovers diskutierten Buch «Queer Dickens» (2009) sei sogar die These aufgestellt worden, dass Dickens sich homoerotischer Sprachcodes bedient. «Hinter der vermeintlichen Fassade des humoresken Dickens verbirgt sich auch ein Autor der Moderne und der Postmoderne», betonte der Anglist. Die Ergebnisse der Konferenz in Vechta sollen in einem Sammelband zusammengetragen werden.
Am 7. Februar wird weltweit der 200. Geburtstag des Londoner Schriftstellers gefeiert, der in seiner Heimat schon zu seinen Lebezeiten als Superstar verehrt wurde.





