Wollust und Untergang: 100 Jahre «Der Tod in Venedig»

02. Februar 2012 19:20

Lübeck (dpa). Eigentlich wollte Thomas Mann eine Erzählung über die Liebe des greisen Goethe zu einem blutjungen Mädchen schreiben. Doch eine Reise nach Italien und Venedig 1911 veränderte seine Pläne.

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Thomas-Mann-Ausstellung im Buddenbrookhaus in Lübeck. Foto: Ulrich Perrey

Aus der Reihe kurioser Umstände und Eindrücke, wie Mann es nannte, entstand innerhalb eines Jahres die Novelle «Der Tod in Venedig» - bis heute international eines der populärsten Werke Thomas Manns. 1912 erschien die Novelle erstmals als Buch. Zum 100. Jahrestag zeigt das Lübecker Buddenbrookhaus eine Ausstellung mit dem Titel «Wollust des Untergangs. 100 Jahre Thomas Manns "Der Tod in Venedig"», die die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte des Werkes beleuchtet. Die Ausstellung wird am 3. Februar eröffnet und ist bis zum 28. Mai zu sehen.

In der Novelle erzählt Mann die Geschichte des Schriftstellers Gustav von Aschenbach, der sich in Venedig unsterblich, aber rein platonisch in den schönen Jüngling Tadzio verliebt. «Das verbotene Begehren ist neben der von Thomas Mann immer wieder behandelten Künstlerproblematik das zentrale Thema der Erzählung - und vielleicht ist das auch das Geheimnis ihres Erfolges. Denn damit kann sich wohl jeder Leser identifizieren, jeder hat schon mal etwas Verbotenes oder Unerreichbares ersehnt», sagte der Leiter des Hauses, Holger Pils.

Die Ausstellung in abgedunkelten Räumen nimmt die morbide Stimmung der Erzählung auf, zeigt alte Ansichten von Venedig und sepiafarbene Videobilder aus der Lagunenstadt. Texttafeln mit Zitaten aus der Novelle werden ergänzt von den Quellen, die Thomas Mann verwendet hat: Hotelprospekte des Hotel des Bains am Lido, in dem von Aschenbach und Tadzio mit seiner Familie absteigen. Ein Lehrbuch zur griechischen Mythologie «für höhere Töchterschulen» aus dem Besitz seiner Mutter, das er zur Auffrischung seiner mythologischen Kenntnisse verwendet hat. Und das Konversationslexikon, aus dem Mann eine genaue Beschreibung der Cholera und ihrer Symptome abgeschrieben hat - «höheres Abschreiben» nannte Thomas Mann diese von ihm häufig verwendete Form der Recherche.

In der Novelle stirbt von Aschenbach an der Cholera, die tatsächlich 1911 in Venedig grassierte. Neben den akribischen Notizen zum Werk, die sich Mann bereits während seiner eigenen Reise machte, sind natürlich auch die Erstdrucke der Novelle aus dem Jahr 1912 zu sehen.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, in dem unter anderem Luchino Viscontis Film «Tod in Venedig» und Ausschnitte aus Benjamin Brittens gleichnamiger Oper gezeigt werden. Eine Kooperation gibt es mit dem Ballett der Hamburgischen Staatsoper, das am 6. und am 9. März John Neumeiers «Tod in Venedig. Ein Totentanz» zeigt. Von September an wird die Lübecker Ausstellung im Literaturhaus in München zu sehen sein.

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