Gluck-Projekt mit Happy End

18. Juli 2010 16:10

Nürnberg (dpa). Es ist dunkel, es ist eng, es ist kalt. Die Wände sind feucht. Der Weg ist holprig. Doch Orpheus treibt zur Eile. Denn er sucht seine geliebte Eurydike. Er will sie aus dem Totenreich befreien.

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Aus Nürnbergs Unterwelt soll Musik erklingen.

Beim Opern-Projekt «Orpheus@felsen.gaenge», das im Rahmen der Internationalen-Gluck-Opern-Festspiele in Nürnberg Premiere gefeiert hat, ist der Zuschauer nicht Zuschauer. Er ist Begleiter. Er steigt mit hinab - nicht in den Hades zwar, aber in die Felsengänge unter der Altstadt.

Dort wird der mythologische Orpheus-Stoff in verschiedenen Szenen aufbereitet, die drei Regisseure Andreas Baesler, Kristian Frédic und Carlo Cerciello haben sich dabei an der Oper «Orfeo ed Euridice» von Christoph Willibald Gluck (1714-1787) orientiert. Der Namensgeber der Festspiele wurde in Erasbach nahe Nürnberg geboren.

Das Regieteam nutzt das mittelalterliche Felsenlabyrinth für beklemmende Darstellungen: Sänger und Schauspieler stehen dicht vor ihrem Publikum, das von Station zu Station geleitet wird und durch die Felsengänge laufen muss. Es entstehen Szenen von großer Intimität, wenn etwa Orpheus - an der ersten Station wird er von Manuel Krauss verkörpert - im Publikum seine Eurydike sucht - und sie nicht findet.

Orpheus ist Soldat. Er trägt ein Gewehr und einen Tornister bei sich anstatt der ihm im Mythos zugeschriebenen Leier. Eurydike sucht er nun im Kriegslazarett, wo die Verwundeten sich vor Schmerzen auf ihren Pritschen winden, wo sie schreien und schluchzen. In die Felsengänge flüchteten in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs viele Nürnberger. Viele von ihnen waren sicher ähnlich verzweifelt wie der Sänger Orpheus.

Doch er bekommt eine Chance. Er kann Eurydike zurückholen, indem er selbst eintaucht in die Unterwelt. Dort ist auch das Panorama der weltlichen Verfehlungen dargestellt, eine Galerie mit poppig-bunten Bühnenbildern und plakativ agierenden Schauspielern zeigt die Todsünden.

Gibt es ein Entkommen? Die Inszenierung schenkt dem Publikum ein Happy End. Amor hat ein Einsehen und erweckt Eurydike wieder zum Leben. Orpheus, seine Frau, Amor, ein Akkordeon-Spieler und weiß gekleidete Tänzerinnen führen das Publikum nun fröhlich jauchzend hinaus aus dem Totenreich - in den Innenhof eines Altstadtlokals. Gaukler sind nun da, Musikanten, eine Sängerin. Es wird Bier gereicht und eine kleine Brotzeit. Es ist nun wieder hell, luftig und warm.

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