Intendant Kuntze warnt vor Kahlschlag

03. Februar 2012 11:00

Gera (dpa). Theaterintendant Kay Kuntze hat vor einem Kahlschlag an Thüringens einzigem Fünf-Sparten-Haus in Gera und Altenburg gewarnt.

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Kay Kuntze, Intendant des Theaters Altenburg-Gera, vor dem Altenburger Theater. Foto: Hendrik Schmidt

Zwar würden die Gelder für das Theater mit der neuen Finanzierungsvereinbarung etwas aufgestockt, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zum jetzigen Stand sei diese Vereinbarung allerdings «der Beginn vom Ende dieses Theaters». Bleibe es bei den vom Land und den drei Gesellschaftern zugesagten Geldern, seien ganze Sparten in ihrer Existenz gefährdet oder müssten stark gestutzt werden. «Das ist für mich kein gangbarer Weg.»

Der Vertrag sollte an diesem Freitag von Kultusminister Christoph Matschie (SPD) und Vertretern der kommunalen Gesellschafter - den Städten Gera und Altenburg sowie dem Kreis Altenburger Land - unterzeichnet werden. Er sieht vor, dass der Freistaat vom kommenden Jahr an jährlich 9,7 Millionen Euro überweist, 200 000 Euro mehr als bisher. Darin enthalten sind die Kosten für das Ballett, das künftig Thüringer Staatsballett wird und komplett vom Land getragen wird. Die Gesellschafter zahlen 6,7 Millionen Euro - ein Plus von 53 000 Euro.

Vorgesehen ist allerdings eine Rückkehr zum Flächentarif für die knapp 300 Mitarbeiter, der Haustarifvertrag läuft Ende des Jahres aus. Dadurch sind mehr als zwei Millionen Euro zusätzlich nötig, die bisher in diesen Summen nicht enthalten sind. Dies allein auf den Schultern der Mitarbeiter auszutragen, sei unanständig, betonte Kuntze. «Die Mitarbeiter verzichten seit zwölf Jahren auf Geld, das ihnen ihrer Qualifikation entsprechend zusteht», sagte er. «Das Defizit allein über einen neuen Haustarif aufzufangen, ist utopisch.»

Aus seiner Sicht müssen sich alle drei Partner bewegen: Mehr Geld von Land und Gesellschaftern und Zugeständnisse der Mitarbeiter in einem neuen Haustarif, der aber mehr Geld bieten müsse als bisher. «Wir müssen noch einmal ran an den Verhandlungstisch.»

Kuntze lehnte es ab, Vorschläge zu strukturellen Veränderungen an dem Theater zu machen. Dies sei eine unternehmerische Entscheidung, welche die Gesellschafter zu treffen hätten. Mit dem jetzigen Geld und der aktuellen Konstellation mit Bühnen in zwei Städten, lasse sich kein vernünftiges künstlerisches Konzept erarbeiten, sagte er. «Jede einzelne Sparte hat ihre Existenzberechtigung.»

Das Theater war vor gut einem Jahr mit einem Rettungsschirm von gut 1,8 Millionen Euro und drastischen Einschnitten vor der Insolvenz gerettet worden. Kuntze, der die künstlerische Leitung erst im August übernommen hat, zeigte sich zuversichtlich, dass das Theater bis zum Ende des Jahres mit diesem Geld hinkommen wird. «Wenn keine großen Katastrophen dazwischen kommen, werden wir bis Ende 2012 eine ausgeglichene Bilanz schaffen.» Allerdings seien die Etats an der Schmerzgrenze und die Personaldecke schon heute extrem knapp.

Gespräch: Andreas Hummel, dpa

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