Thorsten Grümbel als Fasolt (l) und Wolfgang Koch als Fafner in der Oper «Das Rheingold». Foto: Sven Hoppe
Die geplante Symbolwirkung der Videoprojektion war klar, die nach der Premiere von Richard Wagners erstem Teil des «Ring des Nibelungen» an die Fassade des Nationaltheaters geworfen wurde. Dazu krachte und knallte es - anders allerdings als zuvor auf der Bühne.
Regisseur Andreas Kriegenburg hat auf einen pompösen «Ring» und das, was er im Vorfeld eine «prahlerische Inszenierung» nannte, verzichtet - und wurde dafür mit teils tosendem Applaus belohnt, in den sich nur vereinzelt einige Buhs mischten.
Eine vorsichtige, aber sehr stimmige Inszenierung ist es geworden, die der gebürtige Magdeburger vorgelegt hat. Als Regisseur hält er sich zurück. Wotan, Alberich und Loge steckt er nicht in neue Rollen, Schemata zur Orientierung will er nicht geben. «Sobald ich als Zuschauer Zuordnungen sehe und verstehe, habe ich große Schwierigkeiten, emotionale Nähe zu den Figuren aufzubauen», hatte er sein Konzept zuvor erklärt. «Wir versuchen, das zu unterlaufen, und wollen die Figuren in ihren psychologischen Details wahrnehmbar machen.» Das sei zu wenig, maulte nach der Premiere der ein oder andere Musikfreund auf der Facebook-Seite der Staatsoper.
Fast uneingeschränkt gefeiert wurden die Sänger - allen voran Stefan Margita als Loge und Johannes Martin Kränzle, der erst kurz vor der Premiere für den erkrankten Wolfgang Koch als Alberich eingesprungen war. Der Applaus für den blassen Johan Reuter als Wotan fiel deutlich geringer aus. Den meisten Jubel erntete - wie immer in München - der Mann am Pult: Generalmusikdirektor Kent Nagano zeigte sich auch bei Wagner gewohnt um- und vorsichtig.
Kriegenburgs Neuinterpretation funktioniert vor allem durch fantastische und eindringliche Bilder - die nur dann ins Alberne abzudriften drohen, wenn die insgesamt wenig donnernden Riesen Fasolt (Thorsten Grümbel) und Fafner (Phillip Ens) zu Comic-Figuren verkümmert mit viel zu großem Körper und viel zu kleinem Kopf auf der Bühne stehen.
Auf Requisiten verzichtet Kriegenburg, die Bühne ist meist völlig leer (Bühnenbild: Harald B. Thor). Der Rhein wird in der beeindruckenden Anfangsszene von unzähligen wogenden Statisten dargestellt, die später standfest auch die Mauern der Burg Walhall bilden. Es ist das kollektive Erzählen einer Geschichte, die wie kaum eine andere zum deutschen Kulturgut gehört, will Kriegenburg damit zeigen. Die zweieinhalb «Rheingold»-Stunden hat er damit gut rumgebracht. Ob das Konzept auch für die restlichen rund 14 Stunden der Tetralogie aufgeht, muss sich erst noch zeigen. Am 11. März feiert «Die Walküre» Premiere, am 27. Mai «Siegfried» und am 30. Juni schließt sich der «Ring» in München mit der «Götterdämmerung».





