Jung, arbeitslos - wohin?

Berlin (dpa) Mehr als fünf Millionen Menschen - das ist eine Größenordnung, die etwa der Einwohnerschaft von Berlin und Hamburg zusammengenommen entspricht. So viele junge Leute sind in Europa ohne Beschäftigung. In manchen Ländern beträgt die Arbeitslosenquote der Generation der 20- bis 30-Jährigen mehr als 50 Prozent.

  • Jung, arbeitslos - wohin?

    Protest gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini

Ein Kontinent ohne Perspektiven?

Droht diese Last auch wohlhabende Staaten wie Deutschland einzuholen? «Jung, arbeitslos - wohin?» heißt die Arte-Reportage von Peter Kalvelage an diesem Dienstag (22.55 Uhr) über das Heer der Hoffnungslosen.

Der Autor hat sich in seinem Bericht auf drei Standorte in Europa gestützt: Genk (Belgien), Satu Mare (Rumänien) und Sardinien (Italien). Das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit trifft sowohl Belgien als auch Rumänien und Italien gleichermaßen. Und überall muss sich die Gesellschaft damit abfinden, dass der Mangel an Beschäftigung keine Eintagsfliege ist, sondern ein dauerhaftes, generationenübergreifendes Phänomen. In Kalvelages Bericht äußern sich die Betroffenen und auch Politiker und Soziologen zu der Frage, ob eine verlorene Generation wieder einzufangen ist.

Nicht weit von der deutschen Grenze liegt das belgische Genk. Sicherheit, Wohlstand und Fortschritt? Weit gefehlt. Im Laufe dieses Jahres wird dort das Automobilwerk Ford seine Pforten schließen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung dort ist wegen des Jobreichtums beim Fahrzeughersteller in den vergangenen 100 Jahren eingewandert. Jetzt droht eine Stadt auszusterben. Der andere Schauplatz ist die rumänische Stadt Satu Mare. Weil dort das Lohnniveau niedrig ist, ist Arbeit relativ leicht zu bekommen. Doch die junge Bevölkerung ist ausgewandert, dorthin, wo Arbeit schwer zu ergattern ist, weil sie besser entlohnt wird. Ganz schlecht ist die Lage für die Jugend auf Sardinien. Dort scheint die Entwicklung stehengeblieben zu sein. Die Menschen ziehen weg.

In einem «Call for Action» forderte die International Labour Organization (ILO) in Genf im vergangenen Jahr, dass die Jugendlichen Teil der Lösung sein müssten, heißt es von Arte. Regionen und Kommunen seien gefordert, die Strukturen zu verbessern. Doch Unternehmen siedeln sich nur dort an, wo sie kaum Gewerbesteuer bezahlen müssen und wo sie Niedrigstlöhne zahlen können. Somit sind die Hoffnungen auf langfristige Verbesserung gering.

Die Reportage bietet im übrigen auch Fußball-Fans die Möglichkeit, den Abend mit einem Informationsprogramm ausklingen zu lassen, denn das Testspiel zwischen Deutschland und Polen ist zu dieser Zeit längst vorbei.

KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    13. Mai 2014, 00:14 Uhr
    Aktualisiert:
    13. Mai 2014, 00:15 Uhr