Medienboard-Chefin: Legende Babelsberg lebt

05. Februar 2012 17:02

Potsdam (dpa). 100 Jahre nach Gründung hat sich das Filmstudio Babelsberg nach vielen unruhigen Jahren an die Spitze zurückgekämpft. Immer öfter sind Hollywood-Stars auf dem Gelände in Potsdam am Set.

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Kirsten Niehuus freut sich immer wieder über Hollywood-Größen, die nach Babelsberg kommen. Foto: Nestor Bachmann

«Jetzt muss sich Babelsberg der Konkurrenz und dem erbitterten Standort-Wettbewerb stellen», sagt die Chefin der Filmförderanstalt Medienboard Berlin-Brandenburg, Kirsten Niehuus, im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Wie hat es Babelsberg zurück an die Spitze geschafft?

Niehuus: «Das Filmstudio ist nicht in der Vergangenheit stehengeblieben. Die Legende lebt. Große Regisseure wie Quentin Tarantino haben natürlich auch den Mythos im Kopf. Doch das reicht nicht. Babelsberg ist super ausgestattet und verfügt über hervorragende Mitarbeiter. Das ist der entscheidende Punkt. Dies spiegelt sich beispielsweise auch in der aktuellen Oscar-Nominierung in der Kategorie Kostümbild für das Shakespeare-Drama "Anonymous" von Roland Emmerich wider. Nicht zu vergessen ist natürlich die Filmförderung. Die Einführung des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) ist für die großen Studiobetriebe ganz entscheidend in ihrer Entwicklung gewesen.»

Thema Förderung: Was kann ihre Einrichtung bewegen?

Niehuus: «Die Filmförderung hat im vergangenen Jahr 24,3 Million Euro an 263 Projekte vergeben. Im Schnitt löste dabei jeder Euro etwa das Vierfache an Investitionen in der Region aus und führte so zu Ausgaben in Höhe von 90,4 Millionen Euro. Das hilft, den Standort zu festigen. Wichtig sind dabei auch die Finanzierungsprogramme, die die Landesinvestitionsbank Brandenburg (ILB) in Zusammenarbeit mit uns anbietet. Sie gehen sehr stark auf die besonderen Bedürfnisse der Branche ein.»

Wie sehen Sie die Zukunft von Babelsberg?

Niehuus: «Nachdem das Studio aus dem Status der Legende herausgetreten ist, muss es sich der Konkurrenz und dem erbitterten Standort-Wettbewerb stellen. Personell und technisch ist man da sehr gut aufgestellt. Die regionale Förderung ist ein gutes Instrument, dies abzurunden. Das zeigen auch die Oscar-Nominierungen für Wim Wenders 3D-Tanzfilm "Pina", die deutsch-polnische Koproduktion "In Darkness" und das komplett in Babelsberg gedrehte Shakespeare-Drama "Anonymous". Diese Projekte wurden alle von uns gefördert.

Die Konkurrenz insbesondere zu London und Prag ist jedoch sehr groß. Die tschechischen Studios haben einen vergleichbaren Weg genommen wie Babelsberg. London hat im Bereich neuzeitlicher Technik durch die "Harry-Potter-Filme" einen deutlichen Vorsprung. Ich bin dennoch absolut optimistisch, was den Standort Babelsberg angeht. Denn Regisseure und Produzenten tragen ihre guten Erfahrungen, die sie hier gemacht haben, weiter. Und gute Mundpropaganda ist besser als jede Eigenwerbung.»

Gespräch: Marion van der Kraats, dpa

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