Mozarts Oper „Titus“ mit Ovationen überschüttet: Leidenschaftliches Seelendrama

DORTMUND Mozarts „Titus“ gilt nicht gerade als Publikumshit. Dass seine als spröde und statuarisch verkannte späte Oper mit Ovationen überschüttet wird, ist schon deshalb ein Ausnahmeereignis. So geschehen im Konzerthaus Dortmund. Und dazu noch in einer konzertanten Aufführung.

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Das denkwürdige Werk um die Seelenqualen eines untypischen Regenten, den Skrupel an der bedingungslosen Macht über Menschen befallen, schrieb Mozart 1791, zwei Jahre nach der französischen Revolution, zur Krönung des Habsburger Kaisers Leopold II. zum böhmischen König. Und dafür unterbrach er eigens die Arbeit an seiner letzten Oper, der „Zauberflöte“. Zu diesem populären Werk steht der prunkvolle „Titus“ als anachronistische höfisch-barocke Opera seria mit stereotypem Wechsel von Arien und Rezitativen in extremem Kontrast.

Die Kunst, dem äußerlich kargen, aber reichem inneren Geschehen Leben einzuhauchen, setzt die Einsicht voraus, dass der Komponist das erbauliche Formgefüge durch seine hohe Kunst leidenschaftlicher Menschenzeichnung von innen sprengt. Aus diesem vertieften Einblick schlugen der französische Dirigent Louis Langrée, die ebenso prachtvoll wie detailgenau musizierende Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, der Deutsche geschliffen intonierende Deutsche Kammerchor und ein luxuriöses, festspielreifes Solistensextett Funken zunehmend fesselnder Emphase.

Indem sie die gezierte höfische Form als hohle Fassade bloßstellt, erweist sich diese Oper insgeheim als revolutionär. Ein Herrscher, der die Herrschaft als Bürde wahrnimmt. Sein Freund Sesto, der sich aus leidenschaftlicher Liebe zum Verrat aufstacheln lässt, um in letzter Minute vor dem Attentat zurückzuschrecken. Und eine tief verletzte Vitellia, die Sextus’ Leidenschaft für ihre rachsüchtige Intrige ausnutzt, um den Sturz des Vaters vom Thron zu rächen, aber die Tat noch stoppen will, als ihr Titus seine Hand anbietet. Das sind vorzügliche Ingredienzen für 26 Nummern, die nicht nur einen kleinen Kreis intimer Kenner begeistern können. Wenn denn auf der Höhe Mozarts musiziert wird.

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AUTOR
Bernd Aulich
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. Februar 2012, 14:40 Uhr
    Aktualisiert:
    20. Februar 2012, 15:35 Uhr