Malia und Lyambiko: Zwei Jazz-Ladies verneigen sich

Von Werner Herpell, dpa am 07. Februar 2012 09:44

Berlin (dpa). Die Jazz-Ikone Nina Simone und der Komponist George Gershwin - dazu gibt es jetzt zwei neue Tribute-Alben junger Interpretinnen mit recht unterschiedlichem Ergebnis. Hörenswert sind beide.

Den innovativeren, mutigeren Ansatz wählt die aus Malawi stammende Britin Malia mit «Black Orchid» (Universal), ihrer Verbeugung vor dem Genie von Nina Simone (1933-2003). Mit einem französischen Jazz-Trio hat sie ein äußerst intensives Album eingespielt, auf dem sie Schlüsselsongs aus der Karriere der Sängerin, Pianistin und prominenten US-Bürgerrechtlerin covert.

Malias Stimme ist mit atemberaubend nur unzureichend beschrieben. Die seit ihrem 14. Lebensjahr in London lebende Jazz-Stilistin singt berühmte Simone-Lieder wie «My Baby Just Cares For Me» oder «Keeper Of The Flame» nicht nur - sie lebt diese Songs.

Das von Nina Simone selbst komponierte «Four Women», ein so herzergreifendes wie selbstbewusstes Statement einer Tochter ehemaliger Sklaven, dürfte in Malias Version nicht nur bei politisch bewussten Hörern Gänsehaut erzeugen. Aber auch Gershwin-Interpretationen («I Love You Porgy») oder Jacques Brels Welterfolg «If You Go Away» gelingen in den aufs Wesentliche reduzierten Arrangements ganz großartig.

Malia (Gesang), Alexandre Saada (Piano), Jean-Daniel Botta (Gitarre, Standbass) und Laurent Sériès (Schlagzeug) benötigen auf «Black Orchid» wirklich keinen Ton zu viel. Die luftige Kargheit dieser Interpretationen hebt die grandiose Stimme der Afro-Britin nur noch mehr hervor. Auch Songs, deren Potenzial ausgereizt schien (etwa Randy Newmans «Baltimore» oder «I Put A Spell On You» von Screamin' Jay Hawkins), gewinnt sie neue Facetten ab.

Malia will damit ihr Vorbild aber nicht in den Schatten stellen, im Gegenteil: «Selten, schön, mächtig, mystisch, außerirdisch schwarz, überwältigend» nennt sie schwärmerisch die titelgebende «Orchidee» Nina Simone. Und fügt hinzu: «Was mich heute berührt, ist, dass ihre Songs auch dann noch gültig sind, wenn sich die sozialen Umstände verändert haben.» Malias Tribute-Album: eine vorbildliche Verbeugung mit sehr eigener Handschrift.

Traditioneller, weniger riskant, aber auf handwerklich ebenso perfektem Niveau nähert sich die Berliner Jazz-Sängerin Lyambiko dem Gegenstand ihrer Verehrung. «Lyambiko sings Gershwin» (Sony) vereint 15 edle Versionen überwiegend sehr berühmter Lieder des zwischen Jazz und Klassik wandelnden US-Komponisten (1898-1937).

Die wunderbar perlenden Piano-Läufe von Marque Lowenthal, der prägnante Standbass von Robin Draganic und das federnde Schlagzeug von Heinrich Koebberling liefern die Basis für Lyambikos wandlungsfähige Stimme. Die Tochter eines Jazz-Sängers aus Tansania schwebt federleicht durch «Love Walked In» oder «I Got Rhythm», verleiht aber auch Liedern aus Gershwins Blues-Oper «Porgy And Bess» den notwendigen Tiefgang (glanzvoll: ihre Version von «Summertime»).

Lyambiko hatte 2008 selbst bereits eine erfolgreiche Hommage an Nina Simone herausgebracht («Saffronia») - nach dem Gewinn des «Jazz Echo»-Preises für «Someting Like Reality» (2010) nun also Gershwin. Allzu große Abweichungen von den Originalen gibt es hier nicht, und manches Arrangement plätschert im gepflegten Bar-Jazz-Stil dahin. Aber auch dieses Tribute-Album ist eine mehr als angemessene Würdigung eines Genies der US-amerikanischen Musik.

Konzerttermine Malia im März/April: 3.3. Elmau/Oberbayern, 6.3. München, 13.3. Hannover, 14.3. Hamburg, 15.3. Braunschweig, 17.3. Minden, 18.3. Köln, 19.3. Berlin, 20.3. Dresden, 14.4. Wien, 15.4. Graz, 17.4. Innsbruck, 18.4. Ingolstadt, 19.4. Regensburg, 21.4. Mainz, 22.4. Freiburg, 27.4. Karlsruhe, 28.4. Kaiserslautern.

Konzerttermine Lyambiko im Februar: 10.2. Halle/Saale, 22.2. Lutherstadt Eisleben, 23.2. Hamburg, 24.2. Berlin, 25.2. Plauen, 26.2. Dresden, 28.2. Kiel, 29.2. Burgdorf (wird fortgesetzt).

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