Adoro wagen sich an a-ha und Bowie

Berlin (dpa) Gute Pop-Songs werden zuweilen zu Klassikern, von ihren Fans geliebt und verehrt. Die fünf Opernsänger von Adoro nehmen solche Pop-Klassiker und verwandeln sie in klassische Lieder, mit Symphonie-Orchester und Belcanto-Stimmen. Ein Spagat, der Erfolg hat.

  • Adoro

    Schöne Stimmen: Adoro.

Pünktlich zur Weihnachtszeit haben sie es wieder getan: Zum dritten Mal in Folge legt die Plattenfirma Universal den Musikfans eine Klassik-Pop-Crossover-CD der Gruppe Adoro für den Gabentisch ans Herz. Die fünf Opernsänger präsentieren erneut bekannte Pop-Songs in klassischen Arrangements. Darauf werden beispielsweise Nenas «Leuchtturm» oder «Nessaja» von Peter Maffay zu symphonischen Stücken mit Belcanto-Stimmen - so wie es Adoro auch schon mit rund zwei Dutzend anderen Songs erfolgreich gemacht hat.

Doch mit ihrem dritten Album «Glück» wagen die Adoro-Macher um den Berliner Musikproduzenten Andreas Lutschounig auch etwas Neues: Wurden bisher nur deutschsprachige Lieder zu Klassik-Nummern, sind nun erstmals auch englischsprachige Songs dabei - und die haben es in sich.

Der Hit «Take On Me», mit dem das Trio a-ha vor 25 Jahren seine Weltkarriere startete, wird zu «Halt mich fest», einem getragenen, großen Stück, das auch etliche echte a-ha-Fans überzeugen dürfte. Fast klingt es, als seien die Streichersätze des Deutschen Filmorchesters Babelsberg von vornherein für den Song komponiert worden.

Aber dann folgt David Bowies Klassiker «Heroes» - ausgerechnet. Proteste von Bowie-Fans, die ihr Idol und sein Werk von den Opernsängern verhunzt sehen, scheinen sicher, oder? «Dann müsste ich ja auch aufschreien als großer Bowie-Fan», sagt der Tenor Laszlo Maleczky im dpa-Interview lachend. «Nein, im Ernst, diese Gefahr besteht immer. Wir interpretieren ja ständig, bei allen Songs ist immer auch das Original im Ohr der Leute. Am Anfang dachten wir, dass das stark polarisiert, aber wir sind überrascht über die positive Resonanz.»

Zuletzt wird die Rock-Hymne zum Mauerfall, «Wind of Change», zu «Wie der Wind sich dreht» - und wer das Scorpions-Gepfeife nach 20 Jahren partout nicht mehr hören mag, der kann bei Adoro entdecken, dass der Song vielleicht als klassische Komposition sogar besser angelegt ist.

Außerdem nehmen sich die Adoro-Sänger erneut einen Rosenstolz-Titel («Gib mir Sonne») vor - den dritten mittlerweile. Und der klingt wieder wie für das Klassikquintett gemacht. «Rosenstolz passt von der Gesangslinie einfach gut zu uns. Die Stimme von AnNa R. kommt uns entgegen», sagt der Bariton Nico Müller. Der lyrische Tenor Assaf Kacholi ergänzt: «Wir sind es gewohnt, sehr betont und deutlich zu singen. Viele Pop-Songs pressen aber viel Text in eine kurze Zeitspanne, daher werden lange Passagen häufig eher gesprochen als gesungen - wir aber singen Linie. Das ist praktisch sprechen in Slow-Motion.»

Alle zehn Popsongs auf dem Album singt das Quintett mit viel Schmelz - manchmal wird daraus aber auch Schmalz: So klingen Christina Stürmers «Engel fliegen einsam» oder auch der Pur-Song «Geweint vor Glück» sehr nach zuckersüßen Herz-Schmerz-Balladen aus dem Hause Disney. Und bei «Wieder hier» vermisst man Westernhagens Rockröhre - das Lied klingt etwas zu rein und zu wenig dreckig.

Aber gerade die Rock-Sachen haben es den klassischen Sängern angetan - ihre Wunschliste für künftige Projekte ist lang: «U2 wäre mal toll», sagt Maleczky. «Oder Queen, das sind bombastische Songs», ergänzt Bass-Bariton Peter Dasch, der seit langem einen Traum mit sich herumträgt: «Ich möchte mal einen Song von den Ärzten singen.» Und welchen? «Am liebsten "Männer sind Schweine"», sagt Bariton Jandy Ganguly und spielt auf das Schwiegersohn-Image seiner stets perfekt gestylten Männer-Combo an: «Das hätte eine schöne Selbstironie.»

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AUTOR
Patrick T. Neumann, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. November 2010, 13:00 Uhr
    Aktualisiert:
    15. November 2010, 13:02 Uhr
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