Gericht: Halterner soll Unternehmersohn zu Raubüberfällen angestiftet haben

Haltern/Essen Ein 26-Jähriger aus Haltern steht vor dem Essener Landgericht, weil er den Sohn einer angesehenen Halterner Unternehmer-Familie zu Verbrechen angestiftet haben soll.

Mit vehementen Unschuldsbeteuerungen hat am Montag am Essener Landgericht ein Prozess um zwei Überfälle und einen leer geräumten Tresor begonnen. Der 26-jährige Angeklagte bezeichnete die Vorwürfe, den Unternehmersohn zu den Taten angestiftet zu haben, als "völligen Quatsch".

20.000 Euro aus Tresor gestohlen

Die Anschuldigungen gehen zurück auf das Jahr 2016. Am 17. Januar und am 9. Februar soll der Auszubildende aus Haltern das mutmaßliche Opfer - das er angeblich von der Berufsschule kannte - jeweils zu bewaffneten Raubüberfällen auf einen Kiosk an der Sixtusstraße und eine Tankstelle an der Thiestraße angeleitet haben. Während beim ersten Coup 400 Euro Beute gemacht worden sein sollen, verlief der zweite Überfall nicht zuletzt wegen einer verschlossen gebliebenen Tür ohne Beute. Darüber hinaus soll der Angeklagte den Halterner Unternehmersohn einmal gezwungen haben, 20.000 Euro Bargeld aus dem Safe für die Tageseinnahmen des Betriebs zu stehlen - um es ihm anschließend zu übergeben.

"Ich war noch nie kriminell und will auch nie kriminell werden. Mir und meiner Familie geht es bestens", versicherte der Auszubildende, der inzwischen seit fünf Monaten in U-Haft sitzt. Die drei angeklagten Taten seien offensichtlich von dem Unternehmersohn (gegen den ebenfalls ein Verfahren läuft) aus eigenem, "völlig unverständlichem" Antrieb geplant und verübt worden. "Ich dachte, er veralbert mich, als er davon erzählt hat", so der Angeklagte.

Bargeld für nächtelange Rotlicht-Orgien verprasst

Einen Grund dafür, warum der Unternehmersohn die Vorkommnisse bei der Polizei ganz anders geschildert und sich quasi als eine ferngesteuerte "Räuber-Marionette" hingestellt hat, hatte der 26-Jährige auch parat. Angeblich, so der Angeklagte, habe der Sohn offenbar im Elternhaus erklären müssen, dass er ständig heimlich Unmengen an Bargeld für nächtelange Rotlicht-Orgien verprasst habe. Nachdem der Vater irgendwann Wind von den Raub-Coups und den fehlenden Geldschein-Bündeln aus dem Safe bekommen habe, habe der Sohn kurzerhand alle Schuld auf ihn abgeladen.

Weil sich bei der Vernehmung des Unternehmersohns zahlreiche Widerspüche ergaben, beantragte Verteidiger Hans Reinhardt (Marl) am späten Nachmittag die sofortige Haftentlassung des Angeklagten. "Der Zeuge hat auf ganz entscheidende Fragen zu den doch sehr unterschiedlichen Versionen keine überzeugenden Antworten liefern können", sagte Anwalt Hans Reinhardt. Nach einer einstündigen Beratung folgten die Richter am Essener Landgericht schließlich dem Antrag und entließen den sichtlich zufriedenen 26-Jährigen wegen Wegfall des dringenden Tatverdachts nach fünf Monaten aus der U-Haft - was einem klaren Fingerzeig gleich kommt. Denn dass der Angeklagte nun am Ende noch mit einer außergewöhnlich harten Bestrafung rechnen muss, ist eher unwahrscheinlich.