Stadthistoriker Dietmar Scholz veröffentlichte die Opferzahlen der Euthanasie-Praxis in der NS-Zeit
Dies sind zusammengefasst die wichtigsten Fakten zu diesem bislang weithin unerforschten Komplex der NS-Historie auf lokaler Ebene. Stadthistoriker Dietmar Scholz fasste seine Recherchen am Dienstag Abend erstmals öffentlich zusammen.
Zwei Tötungswellen
Vor knapp 50 Zuhörern im Bürgerhaus schilderte der Historiker zunächst die ideologischen und operativen Grundlagen des beispiellosen Systems zur Vernichtung so genannten „lebensunwerten Lebens“. In einer ersten Tötungswelle von Kriegsbeginn bis August 1941 wurden über 70 000 Menschen in sechs zentralen Vernichtungslagern durch Vergasung getötet.
„Das war gleichzeitig auch der Vorlauf zu der sich anschließenden Vernichtung der Juden“, sagte Scholz. In der zweiten Welle der so genannten „Wilden Euthanasie“, während der in etwa noch einmal dieselbe Zahl von Menschen umgebracht wurde, fiel die zentrale Befehlsgebung weg.
Proteste in der Öffentlichkeit
Auslöser waren sich häufende Proteste in der Öffentlichkeit über das ungewisse Schicksal ihrer Verwandten. In Westfalen und darüber hinaus, wurden die Predigten des Bischofs von Münster, Clemens August Kardinal von Galen, bekannt, der im Sommer 1941 das NS-System wiederholt öffentlich attackierte.
Dieser Umschwung in der Bevölkerung war auch Inhalt eines Berichts, den der damalige OB Richard Anton, auf Geheiß der Parteileitung verfassen musste. Darin wird die Stimmung durchaus realistisch geschildert, wie Scholz befand. Zum Schluss referierte Scholz noch über die konkreten Schicksale von einigen Personen aus Castrop-Rauxel, die sich aus Transportlisten und Leichenfunden in Menden ablesen ließen.





