Am St.-Elisabeth-Krankenhaus: Projekt unterstützt werdende Eltern, die Hilfe benötigen

Von Michael Klein am 09. Februar 2012 15:41

DORSTEN. Ein Modellprojekt der Initiative "Kinder ZUKUNFT NRW" läuft nun seit gut einem Jahr in Dorsten: Eltern können sich testen lassen, ob sie nach der Geburt ihres Kindes womöglich Hilfe benötigen.

Als vor vier Jahren in Hervest ein Säugling in Dorsten infolge eines Schüttel-Traumas starb, führte Dr. Peter Tönnies, Chefarzt am St. Elisabeth-Krankenhaus, erste Gespräche mit der Stadt, wie man solche Fälle künftig verhindern könne. "Deswegen bin ich froh, dass wir jetzt dieses Modellprojekt haben", erklärte er am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss.

Seit gut einem Jahr ist das Dorstener Krankenhaus einer von sechs Standorten der Initiative „Kinder ZUKUNFT NRW“. Alle Eltern, die ein Kind erwarten, können sich dabei erfassen lassen, ob sie zu den „Risiko-Eltern“ gehören, die womöglich nach der Geburt Unterstützung von den Behörden benötigen, weil sie sich mit ihrer neuen Situation überlastet und überfordert fühlen.

213 Familien

„Dieses Risiko-Screening ist sehr umfassend und genau“, erläuterte Projektleiter Ingolf Rascher. Überprüft wird das Bindungsverhalten, die familiäre, finanzielle, aber auch die psychische Situation. In Dorsten seien 213 Familien in das Programm aufgenommen worden, deren Kind im St. Elisabeth-Krankenhaus zu Welt kommen.

„Das sind 70 Prozent aller Eltern.“ Von diesen wurden anfangs 17 Familien betreut, jetzt sind es noch 12. „Die Dorstener benötigen aber eher mittleren Unterstützungsbedarf.“

Bei dem Projekt arbeiten Gesundheitswesen und Jugendämter eng zusammen. Besondere Bedeutung kommt den Hebammen zuteil, die zu 100 Prozent mit ins Boot genommen werden.

Auch die Nachsorgehebammen kümmern sich um die betroffenen Eltern, wie Lisa Schmudde vom Krankenhaus betont: „Viele Eltern sind ämterscheu, haben Angst vorm Jugendamt. Denen müssen wir deutlich machen, dass wir ihnen nur helfen wollen.“

Geringes Interesse bei Frauenärzten

Das Interesse von Frauenärzten als wichtigen Part des Netzwerks sei in Dorsten leider „eher verhalten“, erklärte Peter Tönnies. Die Projektverantwortlichen hoffen, dass der befristete Modellversuch weiter geführt werde, über das Jahr 2012 hinaus.

Ungefähr 25.000 Euro sind jährlich nötig. „Wir sind mit drei Stiftungen, einigen Sponsoren, dem Krankenhaus und der Stadt im Gespräch, ob wir die Summe gemeinsam aufbringen können“, so der Chefarzte der Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

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