Die Hoffnung stirbt zuletzt

06. Februar 2012 13:45

Zu den Themen Jugendstrafrecht, sowie Sicherheit im Allgemeinen und im Straßenverkehr im Besonderen schreibt Martin Rennen:

Vielleicht verfolgen Politik und Behörden im Umfeld der Marler Stadtgrenzen ja doch einen ganzheitlichen Plan und dieser betrifft in Summe die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt:

Gemeinhin als Straftäter bezeichnete Mitbürger, reif genug, unsere Parlamente bereits mit 16 zu wählen und am Straßenverkehr mit 17 teilzuhaben, werden nach Einbruch, Sachbeschädigung oder Körperverletzung und konsequenter Aufnahme der Personalien nach Hause geschickt, um im unmittelbaren, auch ruhig zwei Jahre währenden Zusammenhang den, nennen wir ihn doch jugendlichen Überschwang im engsten Kreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Jugendgerichten ein wenig zu erörtern.

Geläutert unter Zuhilfenahme der augenscheinlich nur anzukreuzenden Ausfallgründe (hatte schlechte Jugend, mein schlechtes Umfeld macht mich traurig, ich will mal eine Lehre machen, habe jetzt eine Freundin, beziehe bestimmt einmal eine Wohnung) demonstrieren wir Staatsgewalt, indem ein nochmaliger Erinnerungstermin vor dem Jugendgericht angedroht wird, falls eine derartige, mit Verständnis verfolgte Stressbewältigung noch ein sechstes, gerne auch zwölftes Mal vorkommt.

Ebenfalls interessant sind die ja nunmehr allabendlichen, verlängerten Kassenabrechnungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Lebensmittel-, Drogerie und Spielhallenketten, deren Geldbomben nicht mehr in den Tresoren der Banken, sondern wieder direkt in den Händen der Konsumenten, allerdings einzelner, landen. Auch dies verantwortet wieder, ja, bitte ankreuzen: die schlechte Jugend, das schlechte Umfeld…

Umso verständlicher sind vor diesem Hintergrund auch dieser Zeitung vor Wochenfrist zu entnehmende Einlassungen engagierter Sozialarbeiter, die längere Öffnungszeiten unserer Kinderspielplätze fordern; sehr konsequent und logisch; denn Jugendliche, die - ob der ja in der heutigen Zeit kaum vorhandenen Freizeitmöglichkeiten und fehlender Reize durch Internet, TV, etc. - durch Lautstärke nur das BImSchG verletzen und das Equipment des Spielplatzes ein wenig zweckentfremdet zurücklassen, können schließlich in dieser Zeit weder Mobiltelefone stehlen, noch irgendwo einbrechen, noch unseren Zahnärzten und Krankenhäusern Kunden verschaffen.

Zudem schläft währenddessen der Normalbürger eh nicht und wacht somit über die Zerstörungsakribie, so dass auch Polizei und weitere Ordnungshüter entlastet werden. Schließlich ist Bürgerbeteiligung doch auch sinnvoll – und wirtschaftlich bei ständig sinkender Anzahl ordnungsbehördlichen Personals bei gleichzeitiger Reduzierung der Anlaufstellen des Bürgers.

In diesem Zusammenhang beglückwünsche ich unsere Polizeipräsidentin. Sicherlich nicht zuletzt aufgrund dieses hervorragenden wirtschaftlichen, Ergebnisses, wenngleich bei Ausbleiben ermittlungstechnischer Erfolge, folgt sie nunmehr dem Ruf nach Bielefeld. Sicherlich wird sie dort zur Prosperität des anteiligen Landeshaushaltes beitragen.

Derweil werden in Marl und Umgebung die letzten Bastionen demokratiebelastender Verfehlungen im Keime erstickt. Damit komme ich auch auf die Fragestellung der MZ bzgl. gefühlter (Un)Sicherheit in Marl zurück; denn nirgendwo in unserer Umgebung fühlt man sich seit Jahr und Tag sicherer als im täglichen Straßenverkehr zwischen Feldstr. und Transvaal.

Gefühlt täglich werden dort Schwerkriminelle an die übrigens aus versicherungsrechtlichen Gründen eingeführte Geschwindigkeitsreduzierung des Gefahrenschwerpunktes Feldstr. erinnert, werden uneinsichtige Gesetzeslose in Sachen Anliegerstraßenverkehr gemaßregelt. Gut so! Findet man doch hier die leider schmerzlich in den Abend- und Morgenstunden am Busbahnhof, an Straßen und Wegen vermissten Polizisten wieder.

So wird dem Bürger nun auch klar, warum in Marl die derzeitige strategische Verkehrsplanung in atemberaubendem Tempo voranschreitet, einem Kind ähnelnd, dass auf seinem Straßenteppich Matchboxautos in jede Richtung fahren lässt.

In Wirklichkeit verfolgen hierbei Politik und Ordnungsbehörden zwei geniale Ziele: Straftäter wird es einerseits zukünftig nicht mehr gelingen nach Marl hineinzufahren und wenn sie das Unmögliche dennoch geschafft haben, werden sie andererseits über Linksabbiegerverpflichtungen oder -verbote, Absperrungen und Einbahnstraßenregelungen direkt an einen zentralen Zugriffspunkt geführt! So hat unsere Polizei, die vorgenanntem Treiben sicherlich ebenso ohnmächtig und noch dazu weisungsgebunden gegenübersteht wie die Mitte der Gesellschaft , zudem leider auch noch Kritik und Unverständnis auszubaden hat, letztendlich doch noch ihren Erfolg!

PS: Nein, ich bin nicht von der Polizei in Transvaal oder auf der Feldstr. angehalten worden, sondern fahre an diesen Orten umweltfreundlich den Umweg und genieße bei Tempo 50 die vorbeischleichende Umgebung. Nein, ich bin auch kein Rechter, weil ich mich an Gesetze halte und dem Idealismus folge, dass dies für Alle gleichermaßen gilt, und ich bin auch kein Linker, nur weil ich nicht verhauen werden möchte und das Wort Umwelt benutze...

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