Pogromnacht 1938: Bewegende Gedenkstunde für die Opfer

Von Thomas Fiekens am 09. November 2009 19:05

RECKLINGHAUSEN. Etwa 120 Gäste erinnerten Montagabend am Mahnmal am Herzogswall an die Opfer der Pogromnacht am 9. November 1938. Unter ihnen auch Recklinghäuser Jugendliche, die im Sommer am Mahnmal in der Nähe Riga (Lettland) gearbeitet haben.

Denn dorthin hatten die Nazis 1942 die letzten in Recklinghausen lebenden Juden deportiert. Auch dies ist Teil der Recklinghäuser Erinnerungskultur. „Wie konnte es dazu kommen, dass sich ein ganzes Volk so hat entmenschlichen lassen? Wie konnte es dazu kommen, dass sich Menschen so bestialisch verhalten?“ fragte Dr. Jürgen Schwark in seiner Ansprache während der Gedenkstunde.
Die Fragen des Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit am Mahnmal Herzogswall beschäftigen Generationen, das Gedenken an den millionenfachen Mord an Juden und an alle Opfer der Nazis darf nie verblassen. „Wir erinnern uns für die Gegenwart und die Zukunft . Wir erinnern uns an vielen Stellen und das ist auch eine Stärke dieser Stadt“, sagte Schwark.
Bürgermeister Wolfgang Pantförder hält die Erinnerung an diese Grauen für unverzichtbar im gesellschaftlichen Leben der Stadt: „Wir gedenken der Opfer der Pogromnacht, die menschenverachtend auch Reichskristallnacht genannt wird. Fast alle haben sich damals – aktiv oder passiv – mitschuldig gemacht an der Ermordung von sechs Millionen Juden. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen, den Rechtsstaat bewahren.“
Neue Nazis würden bereits wieder versuchen, Jugendliche und junge Erwachsene zu ködern, so Pantförder: „Die Ideologie kommt ganz allmählich durch die Hintertür.“ Die Stadt trete Nazis, die für den 28. November zu einen Umzug aufgerufen haben, mit dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage entgegen: „Wir werden die braune Provokation nicht hinnehmen.“ Und wir, sagt Bürgermeister Pantförder, sind ganz viele.

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