Der Versuch, mit jener sehr speziellen Einlage die Aufmerksamkeit der Kinder wieder auf den Unterricht zu lenken, wurde im konkreten Fall buchstäblich zum Schuss, der nach hinten losgeht. Denn nun ist der Lehrer vom Dienst suspendiert, die Polizei ermittelt unter dem Verdacht der „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat“ und hat die Pistole konfisziert. Das Führen einer Luftdruckwaffe im öffentlichen Raum ist Nichtberechtigten verboten.
Kurios: Ausgerechnet der 64-Jährige ist erklärter Pazifist und friedensbewegt. Er gilt als beliebt und gutmütig, war mehr als 15 Jahre als Vertrauenslehrer tätig. Schule und Waffen, das passt einfach nicht zusammen – nach mehreren Amokläufen mit furchtbaren Folgen sind Öffentlichkeit und Behörden hoch sensibilisiert. Für die Schüler in Süd bestand indes nie Gefahr, Munition gab es für das Theater-Requisit ohnehin nicht.
Gleichwohl gibt es seit Tagen am Theodor-Heuss-Gymnasium kein anderes Thema mehr. Die Schulleitung behandelt das offensiv und ist nach dem Bekanntwerden auf Kollegium, Schüler und Eltern zugegangen.
„Das war ein übler Scherz, für den niemand Verständnis hat“, erklärte gestern Schulleiter Heinz Cremer im Gespräch mit der RZ. „Der Schulfrieden ist empfindlich gestört und wir nehmen die Sache ernst. Ich habe selbst Schüler befragt – einige waren eher amüsiert, andere gaben aber auch an, dass sie Angst hatten“, so Cremer weiter. „Wir machen das Angebot, das Geschehene mit den Kindern aufzuarbeiten und informieren offen und sachlich, um Gerüchten vorzubeugen.“
Der Pädagoge hat sich mittlerweile schriftlich bei den Eltern entschuldigt und ein Fehlverhalten eingeräumt. Aus der Reaktion der Schüler habe er nicht ableiten können, dass sich jemand durch die Pistolen-Vorführung ernsthaft bedroht fühlte. Kinder hätten sogar „begeistert um eine Wiederholung“ gebeten. Dieser Aufforderung, heißt es in dem Schreiben weiter, sei der Lehrer nicht gefolgt. Die Waffe wanderte zurück in den Klassenschrank.








