Sofort an erneutes Blaumachen zu denken, war dann aber wohl doch zu vorschnell. „Er ist krank – wirklich“, erklärte Dr. Jürgen Nagel, Anwalt des bei der Stadt in Ungnade gefallenen Angestellten. Der Prozess vor der 6. Kammer war nach einer Viertelstunde bereits wieder zu Ende. Eine gütliche Einigung kam nicht zustande.
Beide Seiten signalisierten zwar die Bereitschaft zu einer einvernehmlichen Lösung. Die Lücke zwischen den Vorstellungen der Klägerseite – ordentliche Trennung bei Auszahlung von noch mindestens sieben vollen Gehältern – und denen der Stadt („Wir haben vielmehr noch viel Geld zu bekommen“) war einfach zu groß. Nächster Termin ist der Kammertermin am 7. März 2012.
Wie berichtet, hatte die Stadt den Sachgebietsleiter im Fachbereich 61 (Planen, Umwelt, Bauen) am 28. Oktober nach mehr als 20 Dienstjahren fristlos gefeuert. Grund: „Erheblicher Arbeitszeit-Betrug“.
Über Monate hinweg soll der Diplom-Geograf bei der Zeiterfassung systematisch getrickst haben. Nach Informationen der RZ hatten sich Kollegen über die mangelnde Leistungsbereitschaft und Arbeitszeitmoral des Sachgebietsleiters beschwert. Als selbst nach einem Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten das Verhalten unverändert geblieben sein soll, griff die Stadt durch. Eine Detektei aus Dortmund beschattete den Mann tagsüber über einen Zeitraum von zwei Mal drei Tagen. Das Ergebnis soll einen Tagesablauf dokumentiert haben, der sich so zusammen fassen lässt: Einchecken, blaumachen, auschecken. Nach dem Einstempeln soll er häufig sofort wieder kehrtgemacht und nach Hause gefahren sein. Auch stundenlange Café- oder Friseurausflüge sollen in dem Detektivbericht auftauchen. Erst am frühen Abend, wenn viele seiner Kollegen das Büro schon wieder verlassen hatten, soll der Mann wieder aufgetaucht sein und sich ausgecheckt haben.
Durch die fristlose Kündigung steht der Sachgebietsleiter ohne Bezüge da. Die Stadtvertreter stellten gestern offen in den Raum, dem mutmaßlichen Dauer-Schwänzer die Detektivkosten (einen mittleren vierstelligen Betrag) noch in Rechnung zu stellen.
Arbeitsgericht: Trickserei an der Stechuhr
07. Dezember 2011 19:13
RECKLINGHAUSEN. Knapp sechs Wochen nach dem fristlosen Rauswurf eines angeblich systematisch schwänzenden Stadtmitarbeiters im Planungsamt hat am Mittwoch vor dem Herner Arbeitsgericht der Kündigungs-Prozess begonnen. Die entscheidende Person glänzte durch Abwesenheit.
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