Das passt nicht zu Demokratie und Meinungsfreiheit

31. August 2010 09:27

Stellungnahme der WIR zum RZ-Sommerinterview mit Ensar Kurt

Die ‚Islamische Gemeinschaft Milli Görüs' (IGMG) gilt als die größte islamistische Organisation in Deutschland. Sie wird wegen „tatsächlicher Anhaltspunkte für den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen“ vom Verfassungsschutz beobachtet. In NRW verfügt sie über 100 Orts- und 4 Regionalverbände. Nach außen ist sie um Dialog- und Integrationswilligkeit bemüht, innen verfolgt sie dagegen Distanz und Abgrenzung zu unserem demokratischen System.
In der Auseinandersetzung zwischen Ensar Kurt und Ulrich Hempel nach dem Sommerinterview Ensar Kurts in der RZ zeigt sich Herr Kurt verärgert über die Nachfragen nach seiner Einstellung zur IGMG, letztlich bekommt der Leser aber keine klare Antwort von ihm. Er ist kein Mitglied und hat angeblich nichts damit zu tun, aber wie ist seine Meinung inhaltlich, mal etwas genauer?
Zum ersten Mal räumt er nämlich ein: „Die Leute bei der IGMG sind extrem radikal, das ja. Aber sie sind keine Terroristen.“ Wie sollen wir das denn verstehen? Extrem radikal - das passt nicht zu Demokratie und Meinungsfreiheit.
Und wenn Herr Kurt dann erklärt, lediglich ein paar Mitglieder der Islamischen Kulturunion seien bei der IGMG, wird man als kundiger Zeitgenosse doch etwas misstrauisch, haben wir doch schon verschiedentlich ganz Anderes gehört und gelesen.
In der offiziellen Veröffentlichung der Stadt RE über die Selbstdarstellung der türkisch-muslimischen Migrantenselbstorganisationen von 2006 erklärt die ‚Islamische Kulturunion e.V.' über sich: „Teile seiner Mitglieder stehen mit dem Verein islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V. (IGMG) in Köln in Verbindung“. Am 5.5.07 und 11.9.07 äußern sich der Vorsitzende Mevlüt Göceci und der Vorstandssprecher Ensar Kurt in der RZ: „Es mögen 20 Prozent unserer Mitglieder IGMG-Anhänger sein, doch wir sind ein unabhängiger Verein“. Am 29.3.08 berichtet die WDR-Reportage „Allahs junge Garden“ ausführlich über die Jugendarbeit der IGMG in den Räumen der Islamischen Kulturunion in Recklinghausen und die Verbindungen zur Zentrale der IGMG in Köln und zur Bezirksdirektion in Dortmund. Insbesondere Tugrul Kurt (Neffe von Ensar Kurt) und Ayse treten als Mitglieder und Jugendaktivisten der IGMG in Erscheinung. In der Zentrale der IGMG nehmen sie an professionellen Schulungen teil. Tugrul äußert nicht nur seine „Liebe zu Milli Görüs“, er will mit seinen pädagogischen Kenntnissen „mit Milli Görüs Jugendliche erziehen“. Die Reportage berichtet auch über ein Freitagsgebet mit dem Kommentar: „Die meisten hier sind Anhänger von Milli Görüs“. Außerdem sieht man, wie ein ranghoher IGMG - Funktionär einen Vortrag in der Moschee der Islamischen Kulturunion in Recklinghausen hält. Während der Kommunalwahl 2009 kandidiert Tugrul Kurt auf Platz 1 der Migranten Wählerliste IWI mit seinem Mentor Ensar Kurt auf Platz 3.
Selbst wenn man nur die 20%-Aussage zugrunde legt, dann wären bei der Islamischen Kulturunion von ca. 250 Mitgliedern immerhin 50 IGMG - Anhänger. Die RZ-Leser mögen sich nun ein eigenes Urteil darüber erlauben, wie glaubwürdig der Vorstandssprecher der Islamischer Kulturunion Ensar Kurt ist, wenn er erklärt, er und sein Verein habe mit der IGMG nichts zu tun. Wenn er glaubwürdig sein will, müsste er sich von der IGMG eindeutig distanzieren und den Ausschluss der IGMG - Anhänger betreiben.
Dass Herr Hempel sich überhaupt kritisch zu dem Sommerinterview mit Herrn Kurt äußert und das Problem mit der IGMG anspricht, muss man ihm positiv anrechnen. Allerdings wäre es nötig, dass sich die politischen Vertreter in RE auch noch genauer mit der IGMG insgesamt befassen und ihre Ziele und ihre Aktivitäten in RE bewerten.
Man muss sich nur mal vorstellen, ein deutscher Kulturverein in Recklinghausen hätte entsprechend viele rechtsradikal-organisierte Anhänger, wie würden sich dann wohl Mathias Richter (FDP) und andere Parteienvertreter im Rathaus verhalten?

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