Der Bürger muss wieder herhalten

10. Februar 2011 15:10

Leserbrief von Wilfried Leske, Stuckenbusch, zum Artikel "Die ganze Stadt als Umweltzone?" vom 4. Februar

Ich glaube, dass man es sich im Fall der Umweltzonen etwas zu einfach macht. War es vor zwei Jahren noch der Feinstaub, der als Argument herhalten musste, so sind es jetzt die neuen Grenzwerte für Stickstoffdioxid. Zu schnell ist mal wieder der Verkehr als Hauptverantwortlicher gefunden. Den von Ihnen zitierten Wert von 90% kann ich leider nicht nachvollziehen. Das Umweltbundesamt gibt auf seiner Webseite für den Verkehrsbereich einen Emissionsanteil von 49 % an; überwiegend aus LKW. Weitere Verursacher sind in erster Linie Kraftwerke, Industriefeuerungen und in geringem Maße auch Hausbrandanlagen. Da Energiewirtschaft und Industrie offensichtlich eine starke Lobby haben, muss nun mal wieder der Bürger herhalten und seinen Autoverkehr einschränken. Ich habe volles Verständnis dafür, dass, wenn in einer Straßenschlucht Grenzwerte überschritten werden, Maßnahmen erforderlich sind. Aber warum muss dann das ganze Ruhrgebiet darunter leiden? Warum muss ich den Verkehr in Stuckenbusch einschränken, wenn auf der Bochumer Straße ein Grenzwert überschritten wird? Solange in Herten im großen Stil Sondermüll verbrannt wird, kann mir das auch keiner plausibel erklären! Ich empfehle unseren Politikern einmal nach Mainz zu schauen. Die Stadt bekommt in absehbarer Zeit keine Umweltzone. Eine Wirksamkeitsstudie hat ergeben, dass der Effekt einer Umweltzone auf die Verbesserung der Luftqualität als sehr gering einzustufen ist. Die Auswirkungen stünden in keinem Verhältnis zu den Belastungen für die Bürger. Außerdem erhalten schon jetzt 86 Prozent der in Mainz zugelassenen Fahrzeuge eine grüne Plakette. Ähnliches entnehme ich auch der Leserbefragung in der RZ vom Samstag: Wer eine grüne Plakette hat, den interessiert das Thema nicht sonderlich. Dabei gibt es aber auch Betroffene. Ich denke hier nur mal an die Besitzer von Wohnmobilen. Diese Fahrzeuge wurden in erster Linie zur Freizeitnutzung angeschafft und sind auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet. In 2010 gab es laut KBA 330.000 Wohnmobile mit einem Durchschnittsalter von 12,2 Jahren. Geht man davon aus, dass es seit 6 Jahren Wohnmobile mit grüner Plakette gibt, so sind auf unseren Straßen über 200.000 Wohnmobile unterwegs, die nach den neuesten Planungen nicht mehr in die Umweltzonen dürfen. Ein Großteil dieser Fahrzeuge lässt sich technisch auch nicht umrüsten. Was passiert mit diesen Fahrzeugen? Für Behörden, Landwirte und Spezialfahrzeuge hat der Gesetzgeber in der Plakettenverordnung Ausnahmen geschaffen. Die Besitzer von Wohnmobilen lässt man im Regen stehen und will ihnen jetzt verwehren, ihr Eigentum zu benutzen. Ich würde es bedauern, wenn gerade das Ruhrgebiet sich nach außen als Touristikziel präsentiert und dann für Wohnmobile die Tür bzw. Straßen zumacht. Wie oben gesagt: Es spricht nichts dagegen, einzelne Straßenschluchten mit hohen Grenzwerten auch für Wohnmobile zu sperren, aber nicht pauschal das ganze Ruhrgebiet! Man muss auch den Anwohnern die Möglichkeit lassen, mit ihren Fahrzeugen die Autobahnen zu erreichen, sonst käme dies für Besitzer eines Wohnmobils einer Enteignung gleich. Wir sollten auch mal daran denken, dass nicht alle Freunde und Verwandte, die uns im Ruhrgebiet besuchen wollen ein Fahrzeug mit grüner Plakette haben. Warum sollen wir unnötiger Weise für sie ein Besuchsverbot aussprechen? Aber es muss ja nicht soweit kommen. Im o.g. Artikel wird ja schon beschrieben, dass auch andere Maßnahmen wie „Grüne-Wellen“, Förderung des Rad- und Nahverkehrs und Begrünungen helfen. Mein Wunsch an Verwaltung und Politik: So viel Schutz wie möglich, aber so wenig Einschränkungen für die Bürger wie nötig. Pauschale Forderungen helfen hier nur die Politikverdrossenheit zu steigern. Schaut lieber mal nach Mainz!

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