„Waltrop sollte nicht auf den bundesweiten Schulwahltrend hören“

20. Dezember 2011 17:13

Leserbrief von Anja Becker, Waltrop, zum Bericht „Bleibt die Realschule auf der Strecke?“, WZ vom 19. Dezember

Dass die Stadt Waltrop Geld zur Verfügung hat, um solch ein Gutachten in Auftrag zu geben, verwundert grundsätzlich.Und wenn Gelder zur Verfügung stehen sollte man diese sinnvoll, z.B. in die bestehende Schullandschaft, investieren und nicht in ein Gutachten, dessen Ergebnis man sich vorher selber hätte denken können. Weder überraschen sinkende Schülerzahlen, noch die Folgerung des Herrn Dr. Rösner, dass die Realschule seiner Meinung nach abgeschafft werden soll. Denn Herr Dr. Rösner ist offenkundig ein Verfechter des Abiturs und befürwortet Schulen mit gymnasialen Standards und Oberstufen. Andere Schulabschlüsse haben da keinen Wert mehr. Was ein Abitur noch wert ist, wenn es jeder hat, ist die Frage, die es dann zu beantworten gilt. Ob dies dem bundesweiten Schulwahltrend der Eltern entspricht, mag ich nicht zu beurteilen. Allerdings gibt Dr. Rösner selber an, dass die Anmeldequote an der Städtischen Realschule Waltrop über dem Landesdurchschnitt liegt, somit auf eine gesicherte Akzeptanz in der Elternschaft verweise und die Realschule dreizügig ein gesicherter Bestandteil der kommunalen Bildungslandschaft sein kann. Also sollte Waltrop doch hier nicht auf den bundesweiten Schulwahltrend hören, sondern auf seine Eltern, Schüler, Einwohner, und nicht zuletzt auch Wähler. Die Schule, die laut Dr. Rösner als einzige weiterführende Schule in Waltrop „problemlos läuft“ (und im Übrigen bei der Qualitätsanalyse sehr gut bewertet wurde!) schließen zu wollen, ist meiner Meinung nach absolut absurd! Zumal man natürlich auch als Realschüler mit entsprechender Qualifikation auf verschiedenen Wegen sein Abitur machen kann. Hier sei angemerkt, dass 80% der Waltroper Realschüler in weiterführende Schulen der Sekundarstufe II wechseln, um dort ihr Fachabitur bzw. das Abitur zu erwerben. Niemand meldet sein Kind an einer Realschule an, weil es kein Abitur machen soll. Man meldet sein Kind an einer Schule an, weil man von der Schule überzeugt ist, das Beste für sein Kind möchte und dies ist nicht zwangsläufig ein Abitur bzw. dabei geht es zunächst einmal nicht vorrangig um den Abschluss, sondern um viele andere individuelle Gründe. Unsere ältere Tochter besucht bereits die Realschule und auch unsere jüngere Tochter werden wir im nächsten Jahr an der Realschule anmelden, weil wir vom Gesamtkonzept dieser Schule absolut überzeugt sind. Wir wissen damit für unsere Töchter die beste Wahl getroffen zu haben. Wir sind uns absolut sicher, dass sie nach dem Besuch unserer Realschule bestens für ihren weiteren schulischen bzw. beruflichen Lebensweg gewappnet sind! Aus eben solchen Gründen melden andere Eltern ihre Kinder am Gymnasium oder der Gesamtschule an. Diese Elternmeinung muss weiterhin akzeptiert werden! Und wenn die Elternwünsche in Waltrop drei Schulformen fordern, müssen auch diese drei Schulformen gewährleistet werden. Daher kann ich die Empfehlung von Herrn Rösner die Realschule zu schließen, nicht nur als Zumutung empfinden, sondern muss sie als solche wahrnehmen!Eine auch nur für die weitere Zukunft geplante Schließung der Realschule würde auf keinen Fall von den jetzigen noch von zukünftigen Waltroper Eltern akzeptiert, dessen bin ich mir sicher!Denn alle Eltern, die eine freie, selbstbestimmte Schulwahlentscheidung treffen wollen, werden sich nicht mit einer Durchschnittsauswahl begnügen, die ihnen kaum noch Wahlmöglichkeiten gibt und ihren Elternwillen nicht berücksichtigt.Ich appelliere daher an alle Waltroper Entscheidungsträger, dem offensichtlichen und selbst durch Herrn Dr. Rösner festgestellten Elternwillen zu entsprechen, den Fortbestand unserer Realschule dauerhaft sicherzustellen und somit auch in Zukunft allen Eltern eine adäquate Auswahl an weiterführenden Schulen bieten zu können.
Das Gesamtkonzept der Schule überzeugt

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