«Heiler» infizierte Patienten mit HIV: Fast 13 Jahre Haft

23. März 2013 15:04

 Wien/Bern (dpa). Der selbsternannte Schweizer Heiler, der mindestens 16 Menschen absichtlich mit HIV infiziert hat, muss fast 13 Jahre ins Gefängnis.

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Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt mehrere Humane Immunschwäche-Viren (HIV). Foto: Hans Gelderblom / Robert Koch Institut

Das Regionalgericht Bern-Mittelland sah es am Freitag als erwiesen an, dass der Mann 16 Menschen zwischen 2001 und 2005 hinterrücks mit dem Aids-Erreger angesteckt hatte. Das berichtete die Schweizer Depeschenagentur SDA. Der 54-Jährige muss wegen schwerer Körperverletzung und dem Verbreiten von Krankheiten 12 Jahre und 9 Monate in Haft. Das Motiv des Mannes blieb unklar.

Der Mann hatte vor Gericht alle Vorwürfe abgestritten. «Der Angeklagte und niemand anders ist für die Infizierung der 16

Menschen verantwortlich», sagte Gerichtspräsident Urs Herren.

Obwohl es sich um ein noch nicht rechtskräftiges Urteil in erster Instanz handelt, muss der Mann im Gefängnis bleiben. Das Gericht ordnete eine Sicherheitshaft an. Während des Prozesses hatte sich der Berner 24 Stunden vor der Polizei in seinem Haus verschanzt, statt an der Verhandlung teilzunehmen. Die Beamten mussten das Haus vergangene Woche stürmen und nahmen den bewaffneten Mann fest.

Der Musiklehrer hatte sich als Heiler ausgegeben und seine Patienten neben HIV teilweise auch mit Hepatitis C infiziert. Dabei stach er die Menschen unter Vorwänden wie zum Beispiel einer Akupunktur-Behandlung. Zeugen berichteten, KO-Tropfen verabreicht bekommen zu haben, während der Bewusstlosigkeit habe sie der Musiklehrer dann gestochen.

Blut besorgte sich der Berner von einem HIV-positiven Mann, der jahrelang zu ihm kam. Vor Gericht sagte der Mann aus, dass er sich von dem Angeklagten regelmäßig Blut abzapfen ließ, um es von einem «Schamanenkreis» analysieren zu lassen.

Ans Licht kam die Geschichte, als sich 2004 Verdachtsfälle häuften: Im Berner Inselspital wurde bei mehreren Menschen HIV diagnostiziert, die den Musiklehrer aufgesucht hatten. Danach nahm die Justiz ihre Untersuchungen auf. Bis zur Anklage dauerte es sieben Jahre, weil einige Betroffene nicht gleich der Weitergabe ihrer Identität zustimmten.

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