Idylle sieht anders aus: Chris Killip fotografierte die jungen Fischer 1980 an der Küste Yorkshires. Foto: Folkwang-Museum
Direkt daneben hängt ein Foto, das die andere Seite zeigt. Einer der Demonstranten hat sich zum Polizeihelm eine Schweinemaske aufgesetzt. Mit gebotener Distanz und doch mit sensiblem Einfühlungsvermögen dokumentiert Killip den Niedergang des Bergbaues und der Stahlindustrie im englischen Norden in den Siebzigern und Achtzigern. Das Folkwang-Museum stellt den 65-Jährigen als Meister der sozialkritischen Dokumentarfotografie vor.
„Ich habe nicht geahnt, dass sich das so schnell abspielen würde“, sagt Killip über die fatale Deindustrialisierung auf der britischen Insel. Seine Fotoserien schildern, was der Ruhrregion durch einen sozial abgefederten Strukturwandel erspart geblieben ist. So wie August Sander in seinem 1929 erschienenen berühmten Fotobuch „Antlitz der Zeit“ nüchtern Menschen in ihrem Milieu einfing, zeigt Killip das raue Antlitz des sozialen Niedergangs. Das englische Arbeitermilieu ist bei ihm gezeichnet von den Folgen einer brutal durchgesetzten neoliberalen Ideologie, vor der Deutschland lange verschont blieb.
Die harten Schwarzweiß-Kontraste der Porträts betonen das Elend noch. Grauwerte finden sich nur in den Außenaufnahmen – in Aufnahmen aus verluderten Siedlungen, in denen verwahrloste Kinder spielen.
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@ www.museum-folkwang.de
Info Zu sehen ist die Ausstellung „Chris Killip – arbeit/work“ im Essener Folkwang-Museum, Museumsplatz 1, bis zum 15. April dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und freitags bis 22.30 Uhr.
