200.000 Besucher erwartet: Letztes Hurra für die Kohle: Ruhrgebiet fährt «Extraschicht»

Essen Der Ruhrgebiet feiert sich selbst - auch im bitteren Jahr des endgültigen Steinkohleausstiegs. Zur 18. Nacht der Industriekultur werden mehr als 200.000 Besucher erwartet. Viele Programmpunkte des Festivals erinnern an die alte Zechenherrlichkeit.

  • Nacht der Industriekultur im Ruhrgebiet

    Besucher verfolgen in der Nacht vor dem Deutschen Bergbau Museum eine Laser-Show. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Im letzten Jahr der deutschen Steinkohleförderung feiert sich das Ruhrgebiet an diesem Samstag (30.6.) beim alljährlichen Kulturfestival «Extraschicht» mit einem besonders ambitionierten Programm. Von Moers bis Unna gibt es zwischen 18 und 2 Uhr nachts Musik, Performances, Lesungen und Sonderführungen an Industriestandorten des «Reviers». Shuttlebusse verbinden die bewusst dezentral geplanten Veranstaltungen. «Wir erleben das Ende einer Ära», sagt der Chef der Ruhr-Tourismus-Gesellschaft, Axel Biermann, «zugleich beweist die Metropole aber auch, dass die Menschen im Ruhrgebiet selbstbewusst und voller Stolz ihre Zukunft gestalten».

2000 Künstler bespielen 50 Orte in 22 Städten - vom Poetry Slam in der Lohnhalle bis zum Klavierkonzert in einem Stahlwerk, vom Bergmannschor in einer ehemaligen Schwimmhalle bis zur Luftakrobatik am Hochofen. Thematischer Schwerpunkt der achtstündigen und knapp 1,5 Millionen Euro teuren Veranstaltungsreihe ist der Ausstieg aus der Kohle. Ende Dezember schließen in Bottrop und Ibbenbüren im Münsterland die beiden letzten deutschen Steinkohlezechen. Es wird die 18. Auflage der «Extraschicht», rund 200 000 Besucher werden erwartet.

So treffen sich auf dem Welterbegelände Zollverein in Essen rund 2000 Mitglieder von bergmännischen Musik- und Spielmannszügen sowie Knappenvereinen. In der früheren Maschinenhalle Pattberg in Moers wuselt ein als Bergarbeiter verkleideter Chor durch die Halle und singt. Auf der stillgelegten Zeche Schlägel und Eisen in Herten können die Besucher Kindheit und Jugend inmitten des Bergbaus in den 1960er und 70er Jahren nachempfinden. Weitere Spielorte sind als Hommage an den Bergbau geplant: In Videoprojektionen erzählen Steiger, Schichtführer und Fördermaschinisten von ihren Erfahrungen. Auf der Kokerei Hansa in Dortmund gibt es kurz vor Mitternacht eine artistische Feuershow.

Traditionell lässt die Nacht der Industriekultur einstige Arbeiter in Hüttenwerken und Kokereien zu Wort kommen: Bergleute, Koker und Stahlarbeiter nehmen Besucher mit in ihre Stollen, hinauf in die Hochhöfen und zu den Fördergerüsten.

Die Geschichte der «Extraschicht» endet mit dem Kohleausstieg nicht, wie eine Ruhr-Tourismus-Sprecherin betont. «Die Extraschicht geht 2019 weiter - auch ohne Kohleförderung.»

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(dpa/lnw)
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    27. Juni 2018, 06:14 Uhr
    Aktualisiert:
    29. Juni 2018, 03:33 Uhr