Attraktivität für Firmen sinkt: Steuereinnahmen im Kreis haben ihren Preis

Kreis RE Dass die Städte im Kreis Recklinghausen zurzeit mehr Geld in der Kasse haben, ist vor allem der Gewerbesteuer geschuldet. Die Hebesätze liegen weit über dem Durchschnitt. Aus der Sicht der Wirtschaft sind die hohen Steuersätze allerdings eine Gefahr für die Attraktivität des Standortes.

  • Jaeckel

    „Der Standort verliert an Attraktivität“: IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Foto: IHK Nord Westfalen

Bis auf Marl konnten alle Städte des Kreises Recklinghausen im vergangenen Jahr höhere Steuereinnahmen erzielen. Das Plus lag zwischen 3,3 Prozent (Castrop-Rauxel) und 20 Prozent (Gladbeck). Vor allem bei der Gewerbesteuer gab es teilweise deutliche Steigerungen.

Das nördliche Ruhrgebiet gehört zu den Hochsteuer-Regionen. Für die Emscher-Lippe-Region (Kreis RE, Bottrop und Gelsenkirchen) ermittelte die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen (IHK) einen durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz von 502 Punkten. Er liegt damit weit über dem Bundesdurchschnitt (400 Punkte).

Die IHK habe „ein gewisses Verständnis“ für Städte, die sich in der Haushaltssicherung befänden. Das sei eine schwierige Situation, in der die Kommunen „häufig gezwungen sind, die kommunalen Steuern zu erhöhen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Doch die Konsequenz sei, dass mit steigendem Gewerbesteuerhebesatz die Attraktivität als Unternehmensstandort sinke. Das wiederum habe Auswirkungen auf zukünftige Einnahmen.

Im Münsterland erzielen die Städte und Gemeinden beispielsweise im Verhältnis zu ihrer Größe deutlich höhere Gewerbesteuereinnahmen als die Kommunen im Vest – obwohl die durchschnittlichen Gewerbesteuersätze um 13 Prozent unter denen des nördlichen Ruhrgebiets liegen. In Coesfeld (36.400 Einwohner) zum Beispiel fließt mehr Steuergeld in die Stadtkasse als in Waltrop (29.200 Einwohner) und Oer-Erkenschwick (32.000) zusammen. Borken (42.400 Einwohner, 417 Punkte) bekommt von den Unternehmen am Ort mehr Geld als das wesentlich größere Herten (61.500).
1 KOMMENTAR
23.07.18 08:35

es geht auch anders

von maulwurf

Zossen, eine Gemeinde kurz vor Berlin, hat den Mindeststeuerhebesatz von 200 % und ist damit attraktiv für viele Firmen, die eigens ihren Firmensitz etc. dort hin verlegen. Natürlich sind Produktionsbetriebe (benötigen Fläche) nicht so geeignet, da der Umzug viel Geld kostet. Aber Dienstleister -erst recht in der Rechtsform der GmbH- profitieren deutlich davon. Und selbst Einzelkaufleute Kfm/OHG/KG profitieren davon noch, wenn der Hebesatz vorher über 380 % lag.
Also: Hebesatzsenkung führt kurzfristig zu Steuerausfällen, langfristig aber zu Steuermehreinnahmen. Das geht natürlich nur, wenn die Gemeinde die Mehrsteuer auch behalten darf und nicht an eine übergeordnete Körperschaft (Finanzausgleich, Kreisumlage etc.) abgeben muss. Daher ist das Modell "im Westen" nicht so attraktiv, im "Osten" aber sehr wohl.

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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    23. Juli 2018, 05:32 Uhr
    Aktualisiert:
    27. Juli 2018, 03:33 Uhr