16-Jähriger in Haft/Waffe am Bahnhof gekauft: Bluttat aus Angst vor Brüdern?

Von Lars Hilbig am 17. Dezember 2011 08:25

Bottrop. Der 16-Jährige, der am Donnerstag in Bottrop zwei Brüder mit mehreren Pistolenschüssen schwer verletzt hat, sitzt seit Freitagmittag in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: versuchter Totschlag.

Eines der beiden Opfer (24) ist mittlerweile außer Lebensgefahr, das andere ringt laut Polizei immer noch mit dem Tod.
Der 16 Jahre alte Deutsche mit türkischen Eltern soll die beiden Brüder (24, 25) auf offener Straße vor einer Grundschule niedergestreckt haben. Danach flüchtete er zu Fuß. Die Polizei löste eine Großfahndung aus, konnte den Tatverdächtigen aber nicht fassen. Zunächst war auch nach einem Komplizen gefahndet worden, den es offenbar gar nicht gab. Die Suche hatte dabei schon spektakuläre Züge: Auf der A42 in Höhe Oberhausen hatten mehrere Streifenwagen einen Mercedes eingekeilt, die Insassen kamen aber nach der Überprüfung wieder auf freien Fuß.

Der Verdächtige wandte sich nach seiner Flucht an seine Eltern, die wiederum gemeinsam mit dem Onkel den bekannten Marler Strafverteidiger Hans Reinhardt kontaktierten. „Wir sind dann gemeinsam zur Polizei gefahren und mein Mandant hat sich gestellt“, sagte der Rechtsanwalt.

Zu den Hintergründen der Tat schwieg der Jugendliche, der die sechs Schüsse gestand. Gerüchte, der 16-Jährige habe in einer Notwehrsituation gehandelt, wollte Reinhardt nicht bestätigen. „Mein Mandant hat aber unter großem Druck reagiert, weil er Angst vor den beiden Brüdern hatte“, deutete der Rechtsexperte an.

Woher die Waffe stammt, mit der geschossen wurde, ist inzwischen auch geklärt. Die Pistole hatte der Jugendliche am Bottroper Bahnhof illegal erworben und dann ständig mit sich herumgetragen.
Die Schießerei war natürlich in Bottrop Gesprächsthema Nummer eins. Dabei kamen auch Gerüchte auf, die beiden Brüder, die deutsche Staatsangehörige mit türkischen Wurzeln sind, seien polizeilich bereits häufiger in Erscheinung getreten. Das wurde von der Pressestelle der Recklinghäuser Polizei zumindest nicht dementiert. „Wir machen dazu keine Angaben“, sagte Sprecher Michael Franz auf Anfrage unserer Zeitung.

Dass die Tat mit einer Massenschlägerei am vergangenen Wochenende zusammenhängen könnte, bei der fast 200 Gäste einer türkischen Hochzeit aufeinander los gegangen waren, hat die Polizei dagegen klar verneint.

Für Verteidiger Hans Reinhardt ist eine Verurteilung des 16-Jährigen übrigens keinesfalls sicher: „Möglicherweise hat er entschuldigt gehandelt, so dass man ihn gar nicht bestrafen kann.“ Details wollte er vorerst nicht nennen. „Das werden wir zu einem späteren Zeitpunkt tun.“

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