Ein Badetempel, wie man ihn kennt: Geschäftsführer Ibrahim Özcan (links) führt unsere Leser durch das Maritimo in Oer-Erkenschwick. Foto: Andreas Kalthoff
Während sich oben die Gäste verwöhnen lassen, Schwimmer im 25-Meter-Becken ihre morgendlichen Bahnen ziehen, kommen unsere Leser in den Katakomben schon mächtig ins Schwitzen. Im Lager liegen Säcke voller Bruchsalz bereit. 44 Tonnen pro Jahr werden im Maritimo für die Aufbereitung von Sole gebraucht. Daneben finden sich Werbeprospekte, Dekorationsartikel „und alles, was wir nicht jeden Tag aber immer wieder brauchen“, sagt Ibrahim Özcan.
„Spannend“, findet Ursula Ullmann die ungewohnte Perspektive. Die Recklinghäuserin geht leidenschaftlich gern zum Schwimmen. Jetzt lässt sie sich begeistert durch das unterirdische Labyrinth führen. „Hier sind wir direkt neben dem 25-Meter-Becken“, erklärt Ibrahim Özcan und zeigt auf eine dicke Wand.
Heizung und Filteranlagen gehören zu den wichtigsten technischen Einrichtungen. Das Wasser läuft durch Sandfilter, wird mit Aktivkohle nochmals gereinigt, mit Chlor und dann zusätzlich mit Schwefelsäure geimpft, um den richtigen PH-Wert zu erreichen. Die Filteranlagen sorgen für sauberes Wasser in allen Becken. Alle 48 Stunden wird der Filter gespült. Und es wird regelmäßig zusätzliches Frischwasser zugeführt. Drei bis vier Mal pro Tag nehmen Maritimo-Mitarbeiter Wasserproben, jeden Monat wird die Wasserqualität durch ein Institut geprüft. „Allein die Kontrolle der Wasserqualität kostet uns pro Jahr zwischen 30 000 und 40 000 Euro“, erklärt Ibrahim Özcan.
Unseren Lesern wird es jetzt noch ein bisschen heißer. Dirk Kulot führt uns in den Heizkesselraum. Hier wird die Wärme eines eigenen Blockheizkraftwerks genutzt, das seit 2010 gleich neben dem Haupteingang des Maritimo seinen Platz hat und von einem großen Stromversorger betrieben wird. Es liefert 240 Kilowatt Strom, was etwa dem Bedarf von 350 Haushalten entspricht. Als Nebenprodukt fallen 365 Kilowatt thermische Energie an, die im Maritimo direkt in die Heizungsanlage fließen. Rund 50 000 bis 60 000 Euro an Energiekosten lassen sich pro Jahr mit dem Blockheizkraftwerk einsparen, erläutert Ibrahim Özcan seinen Besuchern. Geheizt wird natürlich auch das Wasser: Im Sportbecken 26 Grad, im Erlebnisbad 29 Grad, im Massagebad 34 Grad, das seien die Standard-Temperaturen, so der Geschäftsführer. Auch das Wasser für die Duschen muss vorgeheizt werden, auf knapp 70 Grad Celsius, um gefährlichen Legionellen vorzubeugen.
Zum Schluss des Rundgangs geht’s noch zum Herzstück des gesamten Bade- und Wellnessbetriebs. Ein Raum, in dem wandhohe Rechner die komplette technische Anlage überwachen und steuern: Wasser, Strom, Heizung – alles wird von hier aus automatisch eingestellt. Die Schränke kommunizieren im sogenannten Busverfahren, stellen sich auf wechselnde Außentemperaturen ebenso ein wie auf eine veränderte Wasserqualität.
- Das Maritimo Wellness Resort Oer-Erkenschwick hat seine Pforten am 1. Mai 2004 geöffnet. Zur Anlage gehört auch das Oer-Erkenschwicker Freibad, dass die Maritimo-Betreiber von der Stadt übernommen haben.
- Das Resort beschäftigt 140 Mitarbeiter, davon 25 Auszubildende. Das Bad stellt Lehrlinge für die Ausbildungsberufe Tourismus- und Freizeitkaufmann, Fachangestellter für Bäderbetriebe, Koch, Restaurantfachmann sowie Sport- und Fitnesskaufmann/-frau ein.
- Pro Jahr zählt das Bad rund 400 000 Gäste, die aus einem Umkreis von bis zu 160 Kilometern anreisen.
- Die komplette Anlage mit Saunaparadies, Sport- und Freizeitbad sowie Freibad verfügt über eine Wasserfläche von 80 000 Quadratmetern.
- Bäder, Sauna- und Wellnessbereich verschlingen pro Jahr Energie für rund 1,2 Mio. Euro. Um die Energiekosten so niedrig wie möglich zu halten, wird unter anderem die Wärme eines Blockheizkraftwerks genutzt.


