Kreisleitstelle in RE: Die Schaltzentrale für den Ernstfall

von Martina Möller am 30. Juli 2011 05:08

RECKLINGHAUSEN. „Bei uns brennt’s!“ „Ja, wo denn?“ „In der Küche!“ Friedhelm Spree kann sich an mehr als einen Notruf erinnern, der so oder ähnlich ablief. Mehr als 40 Jahre war er bei der Feuerwehr in Dorsten und Wulfen aktiv. Jetzt hat der Ruheständler zum ersten Mal Gelegenheit, die zentrale Leitstelle des Kreises Recklinghausen kennenzulernen.

Zum Auftakt unserer Sommeraktion „Wir öffnen Türen“ durften Leser einen Blick hinter die Kulissen der Schaltzentrale werfen, in dem nicht nur alle Einsätze der Feuerwehren und Rettungsdienste in den zehn Kreisstädten koordiniert werden. Hier laufen auch alle Notrufe aus den Städten auf. Von hier aus wird alles auf den Weg geschickt, was vor Ort im Ernstfall gebraucht wird, ob Krankentransport, Rettungsdienst, Taucher oder Hubschrauber.


 
Lars Jesse (42), Wachabteilungsleiter und stellvertretender Leiter der Kreisleitstelle, erklärt, was beim Notruf wichtig ist: Die fünf „W“ – Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Art von Verletzung liegt vor? Wer meldet den Notfall? Warten auf Rückfragen! – geben den Rettern die notwendigen Informationen, um Hilfsmaßnahmen einzuleiten. „Aber viele Anrufer setzen den Notruf ab und legen einfach sofort wieder auf“, berichtet Jesse.
 
In der Kreisleitstelle sitzen die Leitstellendisponenten vor Monitoren und Rechnern. Insgesamt 33 Mitarbeiter sind hier schichtweise im 24-Stunden-Einsatz, nehmen Notrufe an, und alarmieren bei Bedarf Rettungskräfte in den Städten. Eine elektronische Tafel an der Wand zeigt jederzeit aktuell die Bettenkapazität in allen Krankenhäusern des Kreises und benachbarter Städte an, damit Verletzte oder akut Schwerstkranke gezielt dorthin gebracht werden können, wo sie optimal versorgt werden, so Jesse.
 
Durchschnittlich alle 40 Sekunden kommt ein Notruf in der Leitstelle an, berichtet der Wachabteilungsleiter. Aber nicht jedes Mal müssen die Disponenten tatsächlich eine Rettungsaktion in die Wege leiten. Bei extremen Wetterlagen zum Beispiel sei es an der Tagesordnung, dass gleich Dutzende von Anrufern denselben entwurzelten Baum melden, der auf der Straße liegt. So sei es auch zu erklären, dass es bei Notrufen zu Wartezeiten kommen könne. Pro Tag bringen es Feuerwehren und Rettungsdienste in den Städten auf durchschnittlich 400 Einsätze, erklärt Lars Jesse, während hinter der Glasscheibe in der Leitstelle emsig telefoniert wird.
 
135.775 Notrufgespräche kamen im Jahr 2010 in der Kreisleitstelle an, 7.613 Mal wurden örtliche Feuerwehren von hier aus zum Brandeinsatz geschickt, 80 570 Fahrten von Rettungsdienst und Krankentransport veranlasst.
 
„Beeindruckende Zahlen“, finden Brigitte und Jörg Dullisch aus Oer-Erkenschwick, die von diesem Besuch einen praktischen Tipp mit nach Hause nehmen: Zur Entlastung der Notrufnummer 112 sollte man für weniger dringende Krankentransporte die 19.222 anwählen. Auch diese Anrufe landen aus allen Kreisstädten (außer aus Marl) in der Leitstelle, die die Fahrten koordiniert. 

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