Die erste Station: Hier landen die Briefsendungen, wenn die Kastenfahrer ihre Ladung im Briefzentrum Essen-Vogelheim abgeliefert haben. Foto: Torsten Janfeld
Unser Leser aus Recklinghausen weiß, wie er ansetzen muss, damit der schwarze Tintenabdruck fein säuberlich und lesbar neben und nicht etwa auf der Briefmarke landen. 40 Jahre hat er bis 1995 im Dienst der Post gearbeitet, die meiste Zeit als Zusteller. Briefe sortieren, das ging damals noch von Hand. Heute schaut er bei unserer Sommeraktion „Wir öffnen Türen“ im Briefzentrum Essen-Vogelheim der Deutschen Post dabei zu, wie Maschinen rasend schnell die einst mühsame Handarbeit erledigen. Nur wenige nicht maschinenlesbare Briefe kommen noch mit dem Gummistempel in Berührung. Der große Rest wird von den vollautomatischen Sortierern bearbeitet, von denen sich unsere Leser heute ein Bild machen können.
- Sämtliche Briefe aus dem Vest mit Ausnahme der Städte Dorsten (gehen nach Duisburg) und Castrop-Rauxel (Dortmund) werden im Briefzentrum Essen bearbeitet. Das sind täglich bis zu 3 Mio. Sendungen.
- Das Briefzentrum in Essen wurde 1997 eingeweiht. Die riesigen Hallen umfassen eine Fläche von 47.000 Quadratmetern.
- Die Briefbearbeitung erfolgt zu 98 Prozent vollautomatisch, den Rest erledigen die insgesamt rund 420 Mitarbeiter, die an sechs Tagen in der Woche im Schichtdienst eingesetzt werden. Zu Spitzenzeiten, zum Beispiel vor Weihnachten, wird das Team durch Aushilfskräfte verstärkt.
- Insgesamt 2 969 Mitarbeiter beschäftigt die Deutsche Post in dem Postleitzahlgebiet, das mit den Ziffern 45 beginnt, darunter rund 300 Postboten, die im Kreis Recklinghausen täglich rund 300.000 Briefe zustellen.
Bergeweise purzeln Briefe auf die Tische und wandern von dort in die Sortiermaschine. Es ist kurz nach 18 Uhr, im Briefzentrum herrscht Hochbetrieb. In gut drei Stunden müssen alle Sendungen bearbeitet sein, die nicht für den Postleitzahlenbezirk 45 bestimmt sind und in alle Himmelsrichtungen verschickt werden. Binnen 24 Stunden soll der Brief innerhalb Deutschlands beim Empfänger sein. In der Regel gelinge das auch, erklärt Unternehmenssprecher Dieter Pietruck. „Wir haben bei 95,5 Prozent tatsächlich Laufzeiten von einem Tag.“
„Als es noch keine Postleitzahlen gab, wurden die Sendungen nach Eisenbahnstrecken sortiert“, erzählt Ulrich Winkler aus seinem früheren Berufsleben. Und sortiert wurde, wie schon erwähnt, von Hand. Heute liefern die fünfstelligen Postleitzahlen modernsten Maschinen die notwendige Orientierung, um Briefpost auf den richtigen Weg zu schicken.
Sind die Sendungen nach Größen sortiert, wandern sie in die Codiermaschine. Sie liest die Anschriften und versieht Briefe und Postkarten mit dem rosafarbenen Balkencode. Alles, was hier nicht lesbar ist, landet in der Videocodiermaschine. Mit dem aufgedruckten Code erfolgt die Feinsortierung nach den ersten beiden Ziffern der Postleitzahl. Die letzten drei Ziffern dienen der regionalen Zuordnung. Dann wird in Zustellbezirke oder in die Postfächer von Großkunden verteilt. Boris Dräger und Peter Enseleit führen die Besucher zwischen ratternden Maschinen und Mitarbeitern, die palettenweise gelbe Postkisten schieben, durch die riesige Sortierhalle. „Spannend“, findet Leserin Bahar Kaya den Blick hinter die Kulissen des Postbetriebs. Und freut sich, dass es auch im Hochtechnologie-Zentrum, in dem 98 Prozent der Arbeiten vollautomatisch erledigt werden, nicht ohne Menschen geht, die gebraucht werden, um Maschinen zu füttern und um die „Exoten“ unter den Briefsendungen versandfertig zu machen: Eine kleine Nische des Briefzentrums bleibt für die Handsortierung reserviert, damit auch der Liebesbrief im Kuvert aus rotem Lackpapier ganz sicher beim Empfänger landet.


