"Staugefahr": Nichts geht mehr bei der Planung der A52

von Michael Wallkötter am 17. Dezember 2009 07:15

GLADBECK. Staugefahr! Die Verhandlungen um den Bau der Autobahn 52 in Gladbeck sind festgefahren. Stadt und Land werfen sich gegenseitig mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Der Landesbetrieb Straßenbau hat die Planung des 2,8 Kilometer langen Teilstücks erst einmal eingestellt.

Jede weitere Stunde Arbeit an dem Projekt wäre eine Verschwendung von Steuergeldern, sagt die zuständige Planerin Elfriede Sauerwein-Braksiek. Der angestrebte Baubeginn im Jahr 2012 scheint nicht mehr zu halten zu sein.

Dabei sind Bund und Land der Stadt Gladbeck durchaus entgegengekommen und haben ihre Bereitschaft erklärt, einen 1 100 Meter langen Tunnel durch Gladbeck zu finanzieren. Doch das reicht der örtlichen Verwaltung und Politik nicht. Die Kommune pocht auf einen 1.800 Meter langen Deckel und stellt weitere Forderungen, zum Beispiel nach einer direkten Autobahnanbindung für das Gewerbegebiet Brauck. „Wir verlangen nichts Besonderes. Wir wollen nur so behandelt werden, wie Essen oder viele andere Städte in Ostdeutschland“, erklärt der Sprecher der Stadt Gladbeck, Peter Breßer-Barnebeck.

In Essen soll der erheblich längere A-52-Abschnitt fast komplett unter der Erde verschwinden. Das Land hält das Anliegen Gladbecks gleichwohl für nicht gerechtfertigt. „Der 1.800-Meter-Tunnel und der direkte Anschluss des Gewerbegebiets sind nicht verhandlungsfähig“, betont der Sprecher des NRW-Verkehrsministeriums, Stephan Heuschen.



Auch der Bundesrechnungshof hat längst ein Auge auf das Projekt geworfen. „Wir haben eine Prüfung vorliegen“, bestätigt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Abteilungsleiterin des Landesbetriebs Straßenbau in Bochum. Darin sei die Mahnung enthalten, dass die Gladbecker Tunnelforderungen nicht zu Lasten des Bundes gehen dürfen.

Die verhärteten Fronten führen bei der Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen (IHK) zu Besorgnis. Für die Wirtschaft im allgemeinen und die Industriegebiete des nördlichen Ruhrgebiets im besonderen ist die freie Fahrt in Richtung Süden längst zu einer Standortfrage geworden. 600 Lkw quälen sich stündlich auf der Bundesstraße 224 durch das Nadelöhr Gladbeck. Die IHK will Anfang 2010 alle Beteiligten zu einem „Runden Tisch“ einladen, um „Kompromisslinien auszuloten“. IHK-Verkehrsexperte Joachim Brendel hofft nach wie vor auf einen Konsens, mahnt jedoch, neben dem Wünschenswerten auch das Machbare im Auge zu behalten.

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INFO: A52 WIRD SEIT 20 JAHREN GEPLANT
  • Seit 20 Jahren wollen die Straßenplaner die rund 20 Kilometer lange Lücke im Verlauf der Autobahn 52 schließen, die das nördliche Ruhrgebiet mit Düsseldorf verbindet. Durch die Ruhrgebietsstädte Gladbeck, Bottrop und Essen führt sie bisher nur als Bundesstraße (B 224).
  • In Gladbeck und Bottrop soll die Autobahn auf der Trasse der B 224 realisiert werden. Sie führt damit mitten durch die Innenstadt der 78.000 Einwohner zählenden Stadt Gladbeck.

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