Manfred Neuber zeigt Bezugsstoffe. Foto: Janfeld
„Angefangen hat alles mit Matratzen und Drehstühlen“, erzählt Firmeninhaber Udo Verholt. 1970 gründete sein Vater das Unternehmen nicht weit vom heutigen Standort. Nach mehreren Umzügen stehen heute an der Hohewardstraße rund 4 000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung. Und die dürfen unsere Leser gründlich in Augenschein nehmen. „Bei uns ist die Möbelproduktion Teamarbeit“, erklärt Udo Verholt. Alle Arbeitsschritte sind präzise aufeinander abgestimmt.
Der Zuschnitt ist die erste Station in der Fertigungshalle. Aus mehrlagigen Stoffbahnen werden die Konturen des jeweiligen Polstermöbels geschnitten. Den Stoffverbrauch hat vorher schon der Computer errechnet. Wie schnell ein Reißverschluss eingenäht werden kann, erleben die Besucher im nächsten Arbeitsbereich. Während an einem Tisch die Reißverschlüsse von der Endlosrolle durch die Maschine rattern,m dann von Hand die Zipper eingesetzt, werden nebenan Schienen in Sofabezüge genäht, damit der Stoff später leichter am Möbelgestell befestigt werden kann. Jeder Handgriff sitzt. „Und wenn mal eine Naht schief ist?“, fragt Ursula Schnettker. Dann werde sie wieder aufgetrennt, erklärt Udo Verholt. Allerdings komme das bei seinen routinierten Mitarbeiterinnen nur selten vor. Der Automatisierungsgrad in der Näherei sei heute kaum höher als im Gründerjahr 1970, erklärt der Firmenchef. Genäht wird damals wie heute an Industriemaschinen, die nur geradeaus nähen können.
Wenn auch die Möbelgestelle und Bettkästen zusammengeschraubt sind, die von Zulieferern vorgefertigt in den Betrieb geliefert werden, geht es in die Endfertigung. Im Lager stapeln sich deckenhoch fertig zugeschnittene Polsterungen in verschiedenen Größen und Stärken, mit und ohne Federkern. Unendliche Vorräte, so scheint es. Doch Udo Verholt klärt auf: „Wir werden täglich mit Material beliefert, sonst wäre das Lager nach drei Tagen leer.“
Er weist auf Details beim Zusammenbau des Sofas hin: „Wichtig ist das Vlies, damit der Schaumstoff den Bezugsstoff nicht durchscheuern kann.“ Am Ende werden Sofas, Sessel und Wohnlandschaften in Lkw verladen – von Hand, damit der Platz im Laderaum bis auf den letzten Zentimeter genutzt werden kann. „Fast wie bei einem Tetris-Spiel“, scherzt der Firmeninhaber. Michael Neuber, Polsterer und Chefentwickler bei Verholt, demonstriert, wie am Prototyp eines Möbelstücks alle Produktionsschritte sorgfältig ausgetüftelt werden, bevor ein Modell in Serie gehen kann.
Die Firma Verholt gehöre zu den wenigen Möbelherstellern, die noch in Deutschland produzieren, erklärt Udo Verholt. Und das hat ihm manch mitleidiges Lächeln von Berufskollegen beschert. Zum Beispiel nach der Wende, als große Unternehmen, die Möbel schon vor den dem Mauerfall in der ehemaligen DDR einkauften, für einen symbolischen Preis ehemalige Staatsbetriebe übernahmen. Als die Produktion zu teuer wurde, ging es wegen der niedrigen Kosten nach Polen, dann ins nächstbilligere Land usw.. „Die meisten von denen gibt es nicht mehr“, so Udo Verholt. Auch Verholt bezieht Rohmaterial wie Stoffe aus China und anderen Ländern aber produziert wird in Herten. Mit diesem Rezept sei man bis heute erfolgreich, betont der Unternehmer.
- Die Firma Verholt GmbH produziert seit über 40 Jahren im Industriegebiet Herten - Süd Schlafsofas und Polstermöbel bzw. Wohnlandschaften.
- Das Unternehmen beschäftigt rund 85 Mitarbeiter in der Verwaltung, der Näherei mit Zuschnitt, der Polsterei und in der Logistik. Zum firmeneigenen Fuhrpark gehören fünf Jumbolastzüge.
- Die Verholt GmbH beliefert ausschließlich den Möbelfachhandel. 85 Prozent der Polstermöbel aus Verholt Produktion werden innerhalb Deutschlands verkauft, der übrige Anteil vornehmlich in den Nachbarstaaten Belgien, Niederlande, Schweiz, Österreich, Tschechien, Ungarn und Slowenien.
- Zwischen 3 000 und 4 000 Polstermöbelstücke verlassen die Produktion in einem Monat. Die Verkaufspreise liegen zwischen 300 und 1 000 Euro.
- Die Firma Verholt bildet Nachwuchs zu Industriekaufmann /-frau aus.


