Auf gleicher Höhe schreiten der Schützenkönig und sein Prinzgemahl zum Wettbewerb. Foto: Sundermeier
Auf gleicher Höhe schreiten der Schützenkönig und sein Prinzgemahl zum Wettbewerb. Foto: Sundermeier
Dicht gedrängt stehen nach dem Hochamt über 1000 Schützenbrüder auf dem Horstmarer Kirchplatz. Dann heißt es: Antreten zum Umzug und die Augen geradeaus. Doch genau in diesem Moment sind gestern viele Augen auf das schwule Königspaar aus Münster-Kinderhaus gerichtet.
Dirk Winter, König bei der Schützenbruderschaft St. Wilhelmi Kinderhaus, und sein langjähriger Lebenspartner Oliver Hermsdorf stehen unfreiwillig im Fokus des Geschehens. Denn bis zum Antreten bleibt die Frage unbeantwortet, ob sie als schwules Schützenkönigspaar beim Zug durch die Burgmannstadt nebeneinander im Umzug mitgehen dürfen – oder ob sie einer Verfügung des Präsidiums des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften folgend hintereinander gehen. Der Fall hatte für Wirbel bis hinauf in die rot-grüne Landesregierung gesorgt, die diese Auflage als Bevormundung kritisiert hatte.
Dem Paar ist in dem Moment, als es sich aufstellt, die Anspannung anzusehen. Oliver Hermsdorf nestelt immer wieder an seiner Zigarettenschachtel. Beide blicken häufiger zu Boden als in die Gesichter der Umstehenden.
Dann beginnt der Aufmarsch. Gemeinsam und vor allem nebeneinander gehen sie in Begleitung ihrer Schützenbruderschaft durch die Burgmannstadt zum Landesbezirkskönigsschießen. Dass das Präsidium letztendlich keinerlei Probleme mit einem schwulen Königspaar habe, das stellte Werner Aselmann Landesbezirksbundesmeister und Verantwortlicher für das Fest heraus. „Uns geht nicht darum, dass Homosexuelle nicht als Königspaar in Bruderschaften antreten dürfen.“ Wichtig sei nur das „Wie“.
Die Stellungnahme des Präsidiums sei aufgrund von Berichten erfolgt, in denen Dirk Winter seinen Lebensgefährten als „Königin mit Schärpe“ an seine Seite geholt habe. „Wir haben Gespräche mit dem Vorstand von St. Wilhelmi geführt und dort ganz klar gesagt, dass wir nichts dagegen einzuwenden haben, wenn Oliver Hermsdorf als Prinzgemahl am Umzug an der Seite des Schützenkönigs Dirk Winter teilnimmt und dann ohne Schärpe mit der Aufschrift Königin.“ Das sei denn nun letztlich vom Paar auch so umgesetzt worden.
„Kein Problem, jeder soll nach seinen Vorstellungen leben und die Kirche muss auch mit der Zeit gehe“, meint die Zuschauerin Elisabeth Eising. Ihre Bekannte Maria Wüller pflichtet ihr bei: „Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und es ist richtig, wenn man zu dem steht, was man tut.“
Das sehen viele Schützenbrüder genauso: Der 75-jährige Rudi Göcke erinnert daran, dass der Zeitgeist sich ändere: „Vor 30 Jahren, als ich Schützenkönig war, da hatten wir eine ähnliche Situation. Das Mitlaufen von Frauen und evangelischen Schützen war damals der Stein des Anstoßes. Alles heute kein Thema mehr.“ Die Menschen und das Leben seien offener geworden, vieles finde nicht mehr hinter verschlossenen Türen statt. Eine Aussage, die Bezirksprinz Tobias Knapheide nur bestätigen kann. Seine Schwester sei lesbisch und für ihn sei das kein Problem: „Paar ist Paar, es kommt darauf an, wie man miteinander umgeht und zueinander steht.“
Als der Aufmarsch vorüber ist, löst sich bei Dirk Winter und Oliver Hermsdorf schließlich die Anspannung – und der unsichere Blick weicht einem Lächeln.


