Katja (3): Ein Leben auf der Krebsstation

CHISINAU/MOLDAWIEN Moldawien ist ein schönes Land: Warmes Klima, sanfte Hügel, saubere Flüsse, fruchtbare Felder, hier beginnt der gesegnete Schwarzerdegürtel, der sich durch die Ukraine bis zur Krim und zum Kaukasus zieht. Und dennoch ist Moldawien ruiniert.

  • Katja

    Auch Katja wurde in unserem Hilfsprojekt behandelt. Foto: Heinz Sünder

Das Land ist ruiniert durch die erzwungene Mitgliedschaft in der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg, durch Misswirtschaft und Korruption. Und wie immer sind es die Ärmsten der Armen, die darunter leiden müssen. Menschen wie Ludmilla und ihre Tochter Ekaterina. Die Dreijährige hat einen Tumor.
 
Ekaterina wird betreut in der landesweit einzigen, spärlich ausgestatteten Krankenhausstation für krebskranke Kinder in der Hauptstadt Chisinau. Dieser Station gilt unsere Weihnachtsspendenaktion 2011. Fachlich begleitet das Projekt das Wiener St.-Anna-Kinderspital, das auf die Behandlung von Krebs bei Kindern spezialisiert ist und in Chisinau schon längere Zeit hilft. Der Experte Prof. Dr. Helmut Gadner von St. Anna überwacht mit der UNESCO-Kommission in Chisinau die Ausgabe der Spendengelder.
 
Ekaterinas Mutter Ludmilla ist eine fleißige Frau, sie arbeitet als Laborantin in einem Landkrankenhaus. Aber ihr Leben ist von Leid gezeichnet. Sie hat zweimal geheiratet, beide Männer waren Alkoholiker. Alkohol – ein großes Problem in Moldawien, denn Alkohol ist billig. Wein wächst in jedem Garten und Schnaps wird schwarz gebrannt. Ein Alkoholiker als Ehemann, das bedeutet für eine moldawische Ehefrau: Prügel, versoffenes Haushaltsgeld, Missbrauch in der Ehe. Ludmilla hat beide Männer zum Teufel gejagt. Geblieben sind ihr zwei Kinder: Dima (16), der ist behindert, und Ekaterina (3), die hat Krebs. In Moldawien haben sie dafür einen Spruch: „Das Leid kommt kübelweise, das Glück nur als Tropfen.“
 
Die Mutter liebt ihre Kinder, es ist eine starke Bindung in der Familie zu spüren. Sie leben alle beim Großvater. Ekaterina, die nur „Katja“ gerufen wird, hat eigentlich ihr bisheriges kurzes Leben fast nur auf der Krebsstation in Chisinau zugebracht. Zuletzt war sie sieben Monate dort, insgesamt hat sie acht Chemotherapien bekommen.
Jetzt wird sie keine Behandlung mehr bekommen, sie ist austherapiert. Der Tumor auf der Leber ist geblieben. Wie es mit ihr weitergeht, wird das Schicksal entscheiden. Sie fährt nur noch alle drei Monate mit der Mutter in die Klinik um den Status feststellen zu lassen. Mal ist er gleich geblieben, mal hat er sich verschlechtert. Verbessert hat er sich nicht.
Katja geht in Orhei in den Kindergarten. Nicht oft, ihr Immunsystem ist zu schwach. Also ist sie mehr daheim. Da spielt sie mit ihrem Kätzchen „Mirka“, Freundinnen kommen nicht, Katjas Krankheit ist den Dorfbewohnern unheimlich. Ihre Mutter verdient im Monat rund 100 Euro, für den behinderten Sohn bekommt sie noch einmal 45 Euro. Sie haben ein paar Haustiere, einen Garten, Kleider für die Kinder schenken die Nachbarn. Man kann so überleben, Leben ist das aber nicht.
 
Auch in Moldawien, auch in einem Ort wie Orhei, stirbt die Hoffnung zuletzt. Katjas Mutter hat eine gewisse medizinische Bildung. Deshalb hofft sie: „In Deutschland könnte man Katja doch helfen. Dort muss ein Kind doch nicht mit einem Krebs sterben. Vielleicht braucht sie doch nur eine Transplantation? Hier geht das nicht, hier ist meine Katja verloren.“
 
Es ist zu befürchten, dass sie Recht hat. Prof. Helmut Gadner, der unsere Aktion begleitet: „Nach dieser Schilderung sieht es nicht gut aus. Aber genau da wollen wir ja ansetzen: Wir wollen mit Hilfe Ihrer Aktion die Situation in der Kinderkrebsklinik verbessern. Wollen die Ausbildung verbessern, wollen die Technik modernisieren. Vielleicht wäre ein Kind wie Katja durch eine Transplantation zu retten – aber in Chisinau geht das nicht. Noch nicht.“
 
Um den Status „Noch nicht“ so schnell wie möglich zu verbessern, darum geht es in diesem Jahr in unserer Aktion. Kinder in Europa, fast vor unserer Haustür, brauchen dringend Hilfe – damit sie leben können.
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AUTOR
Heinz Sünder
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    6. Dezember 2011, 11:15 Uhr
    Aktualisiert:
    8. April 2014, 12:44 Uhr