„Mir gefällt es hier“: Samba Gueye engagiert sich für unser Hilfsprojekt Baraka

Dakar/Senegal Samba Gueye (28) ist ein Riesenkerl: Mindestens 1,90 Meter groß, der Brustkorb sprengt fast den blauen Kittel, den er trägt. Er klopft mit einem schweren Hammer ein Metallteil gerade. Samba Gueye ist Schlosser in Baraka, einem Elendsviertel in Dakar, der Hauptstadt Senegals. Und er will DER Schlosser sein im neuen Musterviertel Baraka, das hier entsteht – auch mithilfe der Spenden unserer diesjährigen Weihnachtsaktion.

  • Baraka

    Samba Gueye ist Schlosser in Baraka. Er will helfen, aus dem Slum ein Musterviertel zu machen, und hat schon zwei Lehrlinge eingestellt. Foto: Heinz Sünder

Die Düsseldorfer „YOU – Stiftung Bildung für Kinder in Not“ von UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven beginnt jetzt nach mehr als einem Jahr Vorbereitung mit der Realisierung dieses Projektes. Die 5000 Kinder und Erwachsenen des Slums sollen hier bald menschenwürdig lernen, leben und arbeiten. Sie bauen selbst mit an neuen Häusern, an Straßen und Plätzen. Das Ziel: Eine Lebensperspektive schaffen, damit die Menschen sich nicht mehr den afrikanischen Flüchtlingsströmen Richtung Europa anschließen, sondern bleiben.

Bei der Umwandlung des Elendsviertels Baraka in eine funktionierende Wohn- und Lebensgemeinschaft muss man vorsichtig vorangehen. Nichts überstürzen, niemanden überfordern. Vor allem nicht mit unserer modernen westlichen Technik. Damit können sie dort nicht viel anfangen. Dort werden Handwerker gebracht, die noch welche sind.

Denn in Baraka wird nicht weggeworfen oder Defektes einfach durch Neues ersetzt. Hier wird noch repariert. Und das kann Samba Gueye. Er ist einer der ersten Handwerker, die sich in Baraka niedergelassen haben. Er sagt: „Mir gefällt es hier. Die Menschen sind eine echte Gemeinschaft. Ich finde hier Arbeit, ich bin billig und ich kann alles. Sogar Autos reparieren. Hier hat zwar keiner eins, aber die kommen von außerhalb zu mir.“

Samba Gueyes Werkbank steht im Freien. Dort hat er auch seine Werkzeuge: einen uralten großen Schraubstock, Feilen, zwei Hämmer, einige Bohrer und eine Metallsäge. Und ein elektrisches Schweißgerät. Das ist alles. „Ja“, sagt er mit einem breiten Lächeln und schiebt die Sonnenbrille auf die Stirn, „mehr brauche ich nicht.“

„Schau her,“ sagt Samba Gueye. Ich kann elektrisch schweißen.“ Der Schweiß-Stab ist neu, das Stromkabel aber zerfleddert und die Drähte hängen aus der Ummantelung heraus. Die drillt er mit einem Strom führenden Kabel zusammen, und schon funktioniert es. Der TÜV würde den Laden sofort schließen, aber den gibt es in Baraka nicht.

Vom Land in die Stadt gezogen

Der kräftige Schlosser ist vor Jahren vom Land in die Stadt Dakar gezogen, um hier sein Glück zu suchen. Er arbeitete für eine Werkstatt am Stadtrand. Der Chef hat ihn um seinen Lohn betrogen, dann ging er pleite. Bevor die Werkstatt geschlossen wurde, hat sich Samba Gueye Werkzeug geholt: „Er hat mich nicht bezahlt. Da habe ich mir genommen, was ich brauchen konnte,“ sagt er. Wir sind in Afrika, da rennt man nicht zum Gericht, da hilft man sich selbst."

Dann hat er sich in Baraka niedergelassen, bei den Ärmsten der Armen. Er ist einer der wichtigsten Befürworter unseres Projektes „Hilfe zur Selbsthilfe – Baraka: Vom Slum zum Musterviertel“. Und er setzt sich voll dafür ein: „Wenn hier ein neues Viertel entsteht, dann wird es leben. Wir sind fleißig hier, wir brauchen keine Almosen. Wir können es selbst schaffen, wenn man uns beim Start hilft.“

Dafür sind wir da: Die YOU-Stiftung von UNESCO-Sonderbotschafterin Ute Ohoven, wir vom Medienhaus Bauer und vor allem Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Sie mit Ihren Spenden dieses Projekt unterstützen können.

Zwei Lehrlinge in der Werkstatt

Samba Gueye ist gut im Geschäft. So gut, dass er schon zwei Lehrlinge ausbildet. Als wir ihn besuchten, war der eine beim Materialeinkauf, der andere strich ein kunstvoll geschmiedetes Gitter mit roter Rostschutzfarbe an. Amadou ist 15 Jahre alt, eine Schule hat er nicht besucht, das will er nachholen, wenn im nächsten Jahr Kurse für Analphabeten angeboten werden. Noch vor wenigen Monaten lungerte in Baraka herum, spielte Fußball im Sand, hatte keine Zukunft und keine Chance. Bis ihn seine Mutter zu Samba Gueye schleppte: „Das ist Amadou. Der hat geschickte Hände. Bring ihm was bei.“ Der Schlosser nahm den Jungen in die Lehre und bestätigt: „Ja, Amadou hat geschickte Hände. Der wird Schlosser.“

Amadou wird keine Berufsschule besuchen, er wird kein Diplom bekommen, aber er wird lernen, wie man mit wenigen Werkzeugen und ohne technischen Aufwand Dinge wieder repariert, oder selbst einmal so ein schönes Gitter baut. Und genau solche Leute braucht Baraka.

Es sind Menschen wie Samba Gueye und sein Lehrling Amadou, mit denen wir das neue Baraka aufbauen wollen. Menschen, die genügend Kraft und Willen haben, sich aus dem Elend zu befreien. Die sich selbst eine Zukunft aufbauen und die nicht aufs Schiff oder auf den Laster wollen, die sie nach Norden bringen. Dafür braucht man Geduld, ein gut durchdachtes Konzept und Geld. Aber das ist gut angelegtes Geld. Denn die Unterstützung für ein solches Projekt ist erschwinglich – die Versorgung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bei uns ist teuer.

In Baraka kann man es jetzt schon spüren: Der Geruch des Aufbruchs in eine selbstbestimmte Zukunft liegt in der Luft. Bitte helfen Sie uns, diesen Aufbruch zu unterstützen.
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AUTOR
Heinz Sünder
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. November 2016, 17:22 Uhr
    Aktualisiert:
    1. Dezember 2016, 15:16 Uhr